Anleger halten sich vor US-Notenbank-Aussagen zurück

Der deutsche Aktienmarkt hat vor neuen Aussagen der US-Notenbank zur Zinspolitik erneut nachgegeben.

Die bedeutendsten Indizes weiteten ihre am Dienstag erlittenen Verluste etwas aus, weil die Anleger am Abend konkrete Hinweise auf baldige Zinsanhebungen in den Vereinigten Staaten befürchteten.

Der Dax fiel nach einigen Schwankungen letztlich um 0,48 Prozent auf 11 922,77 Punkte. Damit sind die deutlichen Kursgewinne vom Montag fast völlig aufgezehrt, als das Börsenbarometer erstmals die Marke von 12 000 Punkten übersprungen hatte. Der MDax der mittelgroßen Werte gab um 0,16 Prozent auf 20 681,64 Punkte nach, der Technologiewerte-Index TecDax büßte 0,57 Prozent auf 1627,77 Punkte ein.

Einige Beobachter glauben allerdings noch nicht so recht an eine Leitzinswende bereits im Sommer. Analyst James Hughes von CMC Markets etwa rechnet erst im kommenden Jahr mit steigenden Zinsen.

Zwar sei der letzte monatliche US-Arbeitsmarktbericht stark ausgefallen. Dies würde dafür sprechen, dass die Wirtschaft eine straffere Geldpolitik vertragen könnte. Aber die zuletzt schwachen Daten zum Einzelhandel und zur Industrieproduktion erinnerten daran, dass die Beschäftigungsentwicklung nicht das einzige Konjunkturbarometer sei.

Kursbewegende Unternehmensnachrichten waren am Mittwoch rar gesät. Die Aktien der Lufthansa stiegen trotz der angekündigten Ausweitung des Pilotenstreiks um mehr als ein Prozent. Zugute kam den Papieren der anhaltende Kursrutsch beim Ölpreis.

An der Dax-Spitze zogen die Titel von RWE um 3,65 Prozent an. Der angeschlagene Energiekonzern spricht mit einem Großinvestor aus dem arabischen Raum über eine mögliche Kooperation.

Bei BMW machten die Anleger nach Aussagen zur erwarteten Geschäftsentwicklung weiter Kasse und sorgten am Index-Ende für Kursverluste von 4,21 Prozent auf 115,90 Euro. Die für die Pkw-Sparte angepeilte Gewinnmarge vor Zinsen und Steuern von 8 bis 10 Prozent scheine bei den Investoren nicht gut anzukommen, sagte ein Händler. Daher würden bei der zuletzt rekordhohen Aktie Gewinne versilbert.

Im MDax schafften es die Brenntag-Titel zwischenzeitlich auf ein Rekordhoch, bevor Gewinnmitnahmen für Abschläge von rund zwei Prozent sorgten. Der Chemikalienhändler habe eine starke Bilanz für 2014 vorgelegt, schrieb Analyst Thomas Maul von der DZ Bank. Der Ausblick sei wie immer zu diesem frühen Zeitpunkt vage, enthalte aber einen optimistischen Grundton.

Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 gab um 0,10 Prozent auf 3668,52 Punkte nach. Der CAC-40-Index in Paris schloss ebenfalls kaum verändert, während der FTSE-100-Index in London um rund anderthalb Prozent anzog. Der britische Finanzminister George Osborne hatte die Wachstumsprognose für sein Land für 2015 und 2016 angehoben. Der Leitindex Dow Jones Industrial stand zum Xetra-Schluss 0,62 Prozent tiefer.

Am Rentenmarkt sank die Umlaufrendite börsennotierter Bundeswertpapiere auf 0,19 (Vortag: 0,20) Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,09 Prozent auf 140,25 Punkte. Der Bund-Future gewann 0,66 Prozent auf 158,65 Punkte. Der Eurokurs legte zu und stand zuletzt bei 1,0655 US-Dollar: Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs zuvor auf 1,0592 (Dienstag: 1,0635) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,9441 (0,9403) Euro.