Anleger setzen weiter auf EU-Verbleib der Briten

Die Anleger am deutschen Aktienmarkt bauen fest auf ein britisches «Ja» zur weiteren Mitgliedschaft in der Europäischen Union beim anstehenden Volksentscheid.

Anleger setzen weiter auf EU-Verbleib der Briten
Fredrik Von Erichsen Anleger setzen weiter auf EU-Verbleib der Briten

Der Dax legte den vierten Tag in Folge zu und ging am Ende mit einem Kurs-Plus von 0,55 Prozent auf 10 071,06 Punkte über die Ziellinie.

Dabei hatte der deutsche Leitindex kurz vor dem Handelsschluss noch einen Teil seiner Gewinne wieder eingebüßt. «Umso näher das Brexit-Referendum rückt, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass einige Anleger auf die Idee kommen, einen Teil ihrer in den vergangenen Tagen erzielten Gewinne einzustreichen», erklärte Jochen Stanzl von CMC Markets.

Noch in der vergangenen Woche hatte die Furcht vor einem Brexit die Kurse am deutschen Aktienmarkt purzeln lassen. Doch inzwischen hat das nahende Referendum offenbar seinen Schrecken verloren. «Der Markt hat bereits seit Wochenbeginn sehr viel von einem potenziellen Verbleib Großbritanniens in der EU eingepreist», sagte Händler Andreas Lipkow von Kliegel & Hafner. Die Briten stimmen am Donnerstag über den Verbleib in der EU ab.

Der MDax der mittelgroßen Konzerne rückte bis zum Abend um 0,44 Prozent auf 20 494,24 Punkte vor, der Technologiewerte-Index TecDax stieg um 0,75 Prozent auf 1626,51 Zähler.

Den Dax führten die Infineon-Aktien mit plus 3,25 Prozent an. «Der Strategieschwenk von Autobauern in Richtung E-Cars gibt Auftrieb. Das wird als große Marktchance für Infineon gesehen», meinte Frank Schneider vom Handelshaus Alpha. Am Vorabend hatte Daimler-Chef Dieter Zetsche Pläne bekräftigt, auf dem Pariser Autosalon ein neues Langstrecken-Elektroauto vorzustellen. In der Woche zuvor hatte der VW-Konzern große Investitionen in die Elektromobilität angekündigt.

Eine negative Studie der US-Bank JPMorgan belastete die Anteilsscheine von ProSiebenSat.1 am Dax-Ende mit minus 2,30 Prozent. Analyst Marcus Diebel sieht Risiken für das weitere Gewinnwachstum des Medienunternehmens im Digitalgeschäft.

Im MDax erholten sich die Aktien von Kion etwas von ihrem Kurseinbruch am Vortag und kletterten als einer der größten Index-Favoriten um 2,21 Prozent. Die Ankündigung eines milliardenschweren Zukaufs, den der Gabelstapler-Hersteller unter anderem über eine Kapitalerhöhung finanzieren will, hatte den Papieren am Vortag ein Minus von fast 7 Prozent eingebrockt.

Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 schloss um 0,37 Prozent fester bei 2978,31 Punkten. Der Pariser CAC 40 legte leicht zu, während der Londoner FTSE 100 deutlich gestärkt aus dem Handel ging. Der Dow Jones Industrial in New York stand zum Handelsschluss in Europa leicht im Plus.

Am Rentenmarkt fiel die Umlaufrendite von minus 0,07 Prozent am Dienstag auf minus 0,08 Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,03 Prozent auf 142,94 Punkte. Der Bund Future legte um 0,04 Prozent auf 164,33 Punkte zu. Der Kurs des Euro stieg zuletzt wieder. Die Europäische Zentralbank hatte zuvor den Referenzkurs von 1,1283 (Dienstag: 1,1314) US-Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,8863 (0,8839) Euro.