Anschlag auf Asylunterkünfte: Feuer und Hakenkreuze

Wer immer die Brandsätze in die noch unbewohnten Flüchtlingsunterkünfte geworfen hat, ließ keine Zweifel an seinen Motiven: «Kein Asylat in Vorra» prangt am Freitagfrüh auf der frisch verputzten weißen Wand eines Scheunenanbaus in dem mittelfränkischen Ort.

Die Schrift der mit rot-brauner Farbe aufgesprühten Schmiererei ist genauso krakelig wie die beiden Hakenkreuze rechts und links davon. Der Staatsschutz ermittelt. Für die Polizei gibt es kaum Zweifel am rechtsextremen Hintergrund der Taten in dem beliebten Ausflugsort.

Die Spuren der Brandanschläge auf das zweigeschossige Gasthofgebäude im Ortszentrum sind unübersehbar: In der oberen Etage Ruß an den Fensterrahmen. Die darüber liegenden Dachgauben hat das Feuer verkohlt. In dem ebenfalls in Brand gesetzten Wohnhaus einen Steinwurf davon entfernt reicht ein Blick durch die weit geöffnete Eingangstür, um die Wucht der Flammen zu erkennen: Der hölzerne Treppenaufgang ist komplett ausgebrannt.

Eine Anwohnerin zeigt sich entsetzt von den Anschlägen: «Wir waren alle froh, dass das lange leerstehende Gebäude endlich mal hergerichtet wurde», sagt sie und zeigt auf die in zartem Beige verputzte Unterkunft mit dem hellroten Ziegeldach.

Ob es denn Vorbehalte im Ort gegenüber Flüchtlingen gibt? Die Mittvierzigerin schüttelt den Kopf: «Ganz im Gegenteil. Wir haben uns schon auf die Ankunft der Flüchtlinge gefreut. Wir haben uns darauf vorbereitet, sie willkommen zu heißen.» Die Begrüßungsfeier werde nun wohl erst einmal ausfallen, bedauert die Frau. Schon vor Monaten habe sich auf Initiative der Pfarrei ein Unterstützerkreis gegründet, um die Ankunft der 70 bis 80 Asylbewerber vorzubereiten.

Etwas ratlos zeigt sich auch Bürgermeister Volker Herzog (SPD). Er beteuert, dass es «keine rechten Umtriebe» in Vorra gebe - und verweist auf die große Offenheit vieler Bürger gegenüber den erwarteten Ausländern. Noch am vorletzten Wochenende hätten sich viele Bürger bei einem «Tag der offenen Tür» ein Bild von den frisch renovierten, fast bezugsfertigen Unterkünften gemacht. Eingeladen hatte der Besitzer, der die Gebäude vor ein paar Jahren erwarb.

Erst auf Nachfragen kommt das Gemeindeoberhaupt auf die «Clique» zu sprechen, die sich seit zwei oder drei Jahren in einem Wochenendhaus am Waldrand oberhalb von Vorra gelegentlich trifft und «dort ihre Lieder singt». Da es Hinweise gebe, dass sie dem rechtsextremen Spektrum angehöre, stehe die Gruppe seit längerer Zeit unter Beobachtung der Polizei, berichtet Herzog. Außer dass es «Auswärtige» seien und sie bisher im Ort eigentlich nicht besonders aufgefallen seien, wisse er nichts über sie. Auch von der Polizei habe er nie Informationen über die Gruppe bekommen.

Die Polizei ermittelt gegen Unbekannt. Nach bisherigen Erkenntnissen sind die Täter am späten Donnerstagabend in die Gebäude eingedrungen und haben dort Feuer gelegt. Die Bewohner der Ortschaft wurden erst aufmerksam, als dichte Rauchwolken aus den Fenstern des Gasthofs und dem früheren Wohnhaus quollen.

Zu den Augenzeugen gehört auch der mittelfränkische Regierungsvizepräsident Eugen Ehmann, der in Vorra wohnt, in Sichtweite zum alten Gasthof. Dicke Qualmwolken sah er, als er - aufgeschreckt von den Sirenen der örtlichen Feuerwehr - aus dem Haus trat. Ehmanns Behörde ist verantwortlich für die Unterbringung von Flüchtlingen. Die Unterkunft in Vorra stehe dafür erst einmal nicht mehr zur Verfügung, meint er.