Anschlag auf Asylunterkünfte in Franken

Unbekannte haben in drei geplanten Flüchtlingsunterkünften im mittelfränkischen Ort Vorra Feuer gelegt und diese unbewohnbar gemacht. Am Tatort fanden sich Hakenkreuzschmierereien sowie die Botschaft «Kein Asylat in Vorra». Der Staatsschutz ermittelt.

Anschlag auf Asylunterkünfte in Franken
Daniel Karmann Anschlag auf Asylunterkünfte in Franken

Da die Gebäude noch leer standen, wurde bei dem Brand niemand verletzt. Anwohner und Politiker reagierten entrüstet. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) will die Sicherheitsmaßnahmen in anderen Flüchtlingseinrichtungen verschärfen.

In der Nacht zum Freitag hatten im Ortskern von Vorra im Kreis Nürnberger Land ein ehemaliger Gasthof, ein nahe gelegenes Wohnhaus sowie eine Scheune gebrannt. In die Gebäude sollten in der kommenden Woche Asylbewerber einziehen. «Es spricht einiges dafür, dass es sich um Brandstiftung handelt», sagte ein Polizeisprecher.

Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) verurteilte die «schändliche Tat» und sagte: «Braunes Gedankengut hat keinen Platz in unserer freiheitlichen Gesellschaft.» Innenminister Herrmann sagte im Bayerischen Rundfunk: «Entscheidend wird (...) sein, dass wir auf jeden Fall sicherheitshalber den Schutz anderer Asylbewerbereinrichtungen in Bayern noch verstärken.» Er ergänzte: «Es ist ganz offensichtlich Brandstiftung und diese Hakenkreuzschmierereien lassen den Verdacht zu, dass es sich hier um rechtsradikale Täter handeln könnte.»

Auch Anwohner zeigten sich entsetzt. «Wir und andere Nachbarn haben uns auf die Ankunft der Asylbewerber gefreut», sagte eine Frau. «Wir haben uns schon drauf vorbereitet, sie willkommen zu heißen.» In den vergangenen Wochen habe sich im Dorf extra ein Unterstützerkreis gegründet. Die Bewohner seien froh gewesen, dass die seit Jahren leerstehenden Gebäude saniert und für die Flüchtlinge hergerichtet worden seien.

Bei dem Brand entstand auch wegen der starken Rauchentwicklung ein Schaden von rund 700 000 Euro. Einer der rund 150 Feuerwehrleute zog sich beim Löschen Blessuren zu.

Europaministerin Beate Merk (CSU) unterstrich: «Wir dulden keine Ausländerfeindlichkeit oder Gewalt gegen Flüchtlinge. Deutschland steht für Flüchtlinge offen und bietet ihnen Schutz.» Die Ministerin wies auf die negative Wirkung solcher Taten für das Bild Deutschlands in der Welt hin. «Deswegen müssen wir durch alle politischen und gesellschaftlichen Gruppen hindurch jetzt unmissverständlich deutlich machen: Deutschland ist ein weltoffenes, gastfreundliches Land, in dem für ausländerfeindliche Wirrköpfe kein Raum sein darf.»

Anfang der 90er Jahre hatten fremdenfeindliche Anschläge etwa in Solingen, Mölln, Rostock und Hoyerswerda das Ansehen Deutschlands schwer beschädigt.