Anschlag auf Christen in kenianischer Universität

Der verheerende Islamistenangriff auf die Universität von Garissa im Osten Kenias hat das Land in tiefe Trauer gestürzt. Mindestens vier maskierte Männer hatten die Hochschule am frühen Donnerstagmorgen gestürmt und anschließend fast 16 Stunden lang besetzt.

Anschlag auf Christen in kenianischer Universität
Daniel Irungu Anschlag auf Christen in kenianischer Universität

Die militanten Islamisten töteten 147 Menschen, die meisten von ihnen waren Studenten. Sicherheitskräften gelang es, 580 weitere Studenten vor den brutalen Angreifern zu retten. Fast 80 Menschen wurden verletzt.

Augenzeugen sagten der Zeitung «Daily Nation», die Angreifer hätten die Studenten aufgefordert, Verse aus dem Koran zu zitieren. «Sie standen vor den Wohnheimen und stellten Fragen über den Islam und den Propheten», sagte der Hochschüler Hassan Abdi. Offensichtlich ermordeten die Extremisten hauptsächlich christliche Studenten, die nicht antworten konnten.

Wie die «Daily Nation» weiter berichtete, zündeten die Angreifer zum Schluss Sprengstoffgürtel und verletzten Sicherheitspersonal. Vorher hatten sie sich stundenlang mit einer unbestimmten Zahl von Geiseln in einem Wohnheim auf dem Campus verschanzt.

Zu der Tat hat sich die somalische Islamistenmiliz Al-Shabaab bekannt. Die Gruppe, die vor allem im Zentrum und Süden Somalias aktiv ist, geht auch dort mit unverminderter Härte gegen die Bevölkerung vor, um eine strenge Auslegung des islamischen Rechts Scharia durchzusetzen. Schon lange fordern die Fundamentalisten den Abzug kenianischer Truppen aus dem Nachbarland und verüben wegen des Militäreinsatzes Vergeltungsanschläge auf kenianischem Boden.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) zeigte sich bestürzt über das Blutbad. «Dieser Anschlag auf unschuldige Menschen bringt erneut zum Ausdruck, mit welcher Brutalität die Terroristen von Al-Shabaab vorgehen und dass sie in ihrer menschenverachtenden Gesinnung keinerlei Skrupel kennen», hieß es am Freitag in einer Mitteilung. Er versicherte der kenianischen Regierung die Solidarität der Bundesregierung.

Viele Leichen wurden nach Angaben des Roten Kreuzes in die Hauptstadt Nairobi geflogen. Die Organisation bat die Angehörigen der Opfer über den Kurzmitteilungsdienst Twitter, die Toten zu identifizieren.

Die Afrikanische Union (AU) verurteilte den Angriff auf Schärfste und sprach von einer «feigen Terrorattacke» und einem «barbarischen Akt». AU-Chefin Nkosazana Dlamini-Zuma würdigte gleichzeitig den militärischen Einsatz Kenias in Somalia. Das Land habe «riesige Opfer gebracht, um das Nachbarland zu stabilisieren».

Der Angriff war der blutigste in Kenia seit dem Bombenanschlag auf die US-Botschaft in Nairobi im Jahr 1998, bei dem über 200 Menschen getötet wurden. Im September 2013 hatte die Al-Shabaab ihren bisher schwersten Anschlag in Kenia verübt, als Terroristen das Einkaufszentrum Westgate stürmten. Mindestens 67 Menschen kamen bei der mehrere Tage dauernden Attacke ums Leben.