Anschlag in Mali: Mehr als 80 Geiseln aus Hotel frei

Bei dem mutmaßlich islamistischen Terrorangriff auf ein Luxushotel in Malis Hauptstadt Bamako sind mehr als 80 der 170 Geiseln freigekommen. Das sagte ein Beamter des Innenministeriums. Die genauen Umstände ihrer Freilassung blieben zunächst unklar.

Die Hotelgruppe Rezidor, die das Radisson betreibt, sprach von 140 Gästen und 30 Angestellten. Das malische Innenministerium berichtete am Mittag von mindestens drei Toten. Die Angreifer seien vermutlich Dschihadisten, sagte ein Polizeibeamter.

Sicherheitskräfte des westafrikanischen Landes begannen, in das Hotel vorzudringen, wie ein Augenzeuge berichtete. Einige der Geiseln seien wieder frei, sagte der Polizeibeamte. Sie hätten jene freigelassen, die das arabische Glaubensbekenntnis aufsagen könnten, und seien vor allem an westlichen Geiseln interessiert. Das Radisson mit 180 Zimmern ist bei Diplomaten und Geschäftsleuten beliebt und zum Beispiel auch das Hotel für Mitarbeiter der Air France, die nach Bamako kommen.

Eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes in Berlin sagte: «Wir haben noch keine Erkenntnisse, ob sich Deutsche unter den Geiseln befinden.» Die staatliche türkische Nachrichtenagentur Anadolu meldete, unter den Geiseln seien sechs Mitarbeiter der Fluglinie Turkish Airlines. Dem französischen Auslandsrundfunk rfi zufolge befanden sich auch Franzosen und Chinesen unter den Geiseln.

Nach Angaben eines Mitglieds des Hotel-Sicherheitsteams nutzten die Angreifer einen Wagen mit diplomatischen Kennzeichen, um Zugang zum normalerweise sehr gut gesicherten Radisson zu erhalten. Medienberichten zufolge skandierten die Angreifer «Allahu Akbar», was den Verdacht eines islamistischen Terroranschlags weiter erhärtet. Es waren Schüsse zu hören. Sicherheitskräfte riegelten das Hotel weiträumig ab.

Die US-Botschaft und andere westliche Vertretungen forderten ihre Staatsbürger in Bamako auf, in ihren Häusern zu blieben. Islamistische Attentäter hatten bereits im August ein Hotel in Sévaré angegriffen. Dabei kamen 13 Menschen ums Leben. Unter den Opfern waren auch fünf Mitarbeiter der Vereinten Nationen.

In Mali hatten mit dem Terrornetz Al-Kaida verbündete Islamisten und separatistische Tuareg große Gebiete vor allem im Norden des Landes erobert, bevor sie 2013 mit Hilfe französischer Truppen wieder zurückgedrängt wurden. Derzeit läuft ein internationaler Einsatz zur Stabilisierung Malis. Die UN-Mission hat derzeit rund 9000 Soldaten und 1000 Polizisten in dem westafrikanischen Land stationiert. Die Bundeswehr beteiligt sich auch an der Ausbildung der malischen Streitkräfte.

Bundeswehr-Soldaten sind nicht unter den Geiseln im Hotel. «Unser Hauptquartier liegt einige Kilometer von dem Hotel entfernt, alle sind in Sicherheit», sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums am Freitag in Berlin. In Bamako sind aktuell mehr als 50 deutsche Soldaten als Teil der European Training Mission in Mali (EUTM Mali) stationiert. Das Mandat erlaubt den Einsatz von bis zu 350 Soldaten.

Die Bundesregierung erwägt derzeit auch, den Einsatz der Bundeswehr auf den unruhigen Norden auszuweiten. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums betonte, es sei noch zu früh zu sagen, ob der Überfall auf das Hotel Auswirkungen auf die Planungen der Bundeswehr für ihren Beitrag an der UN-Mission im Norden Malis haben werde.