«Antworten kommen noch»: Beckenbauer will aussagen

In der Affäre um die Fußball-WM 2006 in Deutschland könnte es in dieser Woche zumindest erste kleine Schritte Richtung Aufklärung geben.

«Antworten kommen noch»: Beckenbauer will aussagen
Fredrik von Erichsen «Antworten kommen noch»: Beckenbauer will aussagen

Die Schlüsselfigur Franz Beckenbauer will nach Medienberichten zeitnah vor den Ermittlern der Wirtschaftskanzlei «Freshfields Bruckhaus Deringer» aussagen. Der frühere DFB-Präsident Theo Zwanziger drängt sogar darauf, sich möglichst schnell mit jenen Leuten zu treffen, die der Deutsche Fußball-Bund zur Aufarbeitung aller Vorwürfe eingeschaltet hat.

Journalisten von «Spiegel TV» hatten Beckenbauer am Sonntag an dessen Wohnort Salzburg aufgesucht. Im Vorbeigehen sagte ihnen der Chef des damaligen WM-Organisationskomitees nur: «Die Antworten kommen noch.» Die «Bild»-Zeitung schrieb am Montag über ihren Kolumnisten, dass sich der 70-Jährige «wahrscheinlich noch in dieser Woche» den Ermittlern stellen werde.

Beckenbauer ist nach Ansicht aller Beteiligten der Einzige, der sämtliche Fragen in dieser Affäre beantworten kann. Er hat zumindest laut Version des DFB 2002 in einem Vier-Augen-Gespräch mit FIFA-Präsident Joseph Blatter jene ominöse Zahlung von 6,7 Millionen Euro ausgehandelt, die der damalige Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus anschließend für das deutsche WM-OK getätigt hat. Er dürfte deshalb auch wissen, wohin dieses Geld tatsächlich geflossen ist.

Abgesehen von einem ersten Statement am 18. Oktober («Ich habe niemandem Geld zukommen lassen, um Stimmen für die Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 nach Deutschland zu akquirieren.») hat sich Beckenbauer bislang nicht zu dieser Affäre geäußert.

In DFB-Vizepräsident Peter Frymuth, gleichzeitig auch Chef des Fußballverbandes Niederrhein, hat nun aber zum ersten Mal ein Funktionär oder Aktiver aus dem Bereich des Fußballs genau das von ihm gefordert. «Die Basis wünscht sich Antworten von ihren Idolen», sagte Frymuth der «Rheinischen Post» (Montag). «Niemand hat Verständnis dafür, dass sich einige ihrer Verantwortung nicht stellen.» Zu einer gründlichen Aufarbeitung gehöre, «dass Beckenbauer und Netzer zur Aufklärung beitragen. Es geht um mehr als persönliche Befindlichkeiten - es geht um das Vertrauen in den Fußball.»

Günter Netzer soll Zwanziger 2012 nach der Darstellung des ehemaligen Verbandschefs bei einem Treffen in Zürich gestanden haben, dass jene 6,7 Millionen Euro vor der Vergabe der WM zur Bestechung von vier asiatischen FIFA-Funktionären verwendet worden seien. Der Weltmeister von 1974 und enge Vertraute des 2009 gestorbenen Louis-Dreyfus weist das allerdings zurück.

Aufgrund solcher Enthüllungen steht Zwanziger («Es ist eindeutig, dass es eine schwarze Kasse in der deutschen WM-Bewerbung gab») innerhalb der Fußball-Szene in erster Linie als Buhmann da. Abgesehen von Frymuth hat bislang noch niemand eine Erklärung von Franz Beckenbauer gefordert - aber immer mehr prominente Namen kritisieren öffentlich das Verhalten Zwanzigers. «Ich finde das nicht gut, das geht ja schon länger. Ich verstehe das nicht, man soll nicht nachtreten», sagte Uwe Seeler, Ehrenspielführer der deutschen Nationalmannschaft, am Montag der Deutschen Presse-Agentur.

Zwanziger will nun unbedingt vor den externen Ermittlern aussagen und ihnen alle Unterlagen präsentieren, die er besitzt. «Weil nur so die Wahrheit auf den Tisch kommen kann, die nun mal zum Schutz meines Mandanten unerlässlich ist», wie sein Anwalt Hans-Jörg Metz bereits am Wochenende in einem Interview von «Spiegel Online» sagte.

Bei «Spiegel TV» wehrte sich Zwanziger am Sonntag noch einmal gegen den Vorwurf, mit seinen Aussagen lediglich seinen Intimfeind und Nachfolger Wolfgang Niersbach stürzen zu wollen. «Ich will Herrn Niersbach nicht sein Amt nehmen. Von mir aus kann er da noch 20 Jahre weiter regieren.» Ausgangspunkt der gesamten Affäre sei für ihn ohnehin «das richtig verrottete System der FIFA, in das Beckenbauer hineinstolpern musste, um überhaupt eine Chance zu haben, diesen World Cup nach Deutschland zu holen».