Anwalt sicher: Ex-Todeskandidatin Debra Milke endgültig frei

Nach mehr als einem Vierteljahrhundert Haft - davon zwei Jahrzehnte in einer US-Todeszelle - steht die in Berlin geborene Debra Milke laut ihren Anwälten vor dem endgültigen Freispruch.

Der Oberste Gerichtshof von Arizona entschied, dass der 51-Jährigen kein erneuter Prozess wegen der Ermordung ihres kleinen Sohnes gemacht werden darf. Die Staatsanwaltschaft kündigte darauf zunächst keine weiteren rechtlichen Schritte gegen Milke an.

Milke war 2013 nach 22 Jahren im Todesstrakt gegen Kaution und mit starken Einschränkungen auf freien Fuß gekommen, nachdem ein Berufungsgericht das Urteil gegen sie für ungültig erklärt hatte. Seitdem kämpfte sie gegen eine Neuauflage des Mordprozesses.

Seine Mandantin sei nach eigenen Worten «erleichtert, dass ihr endlich Gerechtigkeit widerfährt», sagte Verteidiger Michael Kimerer der Deutschen Presse-Agentur. Die Gerichte hätten «diesem schrecklichen Justizirrtum ein Ende bereitet».

Die Tochter einer Deutschen und eines Amerikaners war 1991 zum Tode verurteilt worden, weil sie 1989 zwei Männer angestiftet haben sollte, ihren damals vierjährigen Sohn Christopher zu töten. Statt wie versprochen den Weihnachtsmann in einem Einkaufszentrum zu besuchen, fuhren die beiden Bekannten der Frau mit dem Jungen zu einem trockenen Flusslauf in der Wüste. Dort streckten sie ihn mit drei Schüssen in den Hinterkopf nieder.

Die Männer wurden ebenfalls zum Tode verurteilt und müssen weiterhin in Haft auf ihre Exekution warten - sie sagten niemals gegen die Mutter aus. Milke selbst beteuerte stets ihre Unschuld. Die Ankläger werfen ihr vor, sie habe ihren Sohn loswerden und eine Versicherungssumme einstreichen wollen.

Die Staatsanwaltschaft sprach nach dem Gerichtsentscheid von einem «schwarzen Tag für Arizonas Strafjustizsystem». Über mögliche weitere Rechtsmittel in dem Fall machte sie keine Angaben. Laut Kimerer sind alle juristischen Möglichkeiten ausgeschöpft. Es sei nur noch eine Frage von Tagen, bis die zuständige Richterin Rosa Mroz die Einstellung des Verfahrens bekanntgebe. Kommende Woche werde Milke sich in einer Pressekonferenz der Öffentlichkeit stellen.

2013 erklärte das Berufungsgericht in San Francisco, es gebe keine direkten Beweise, die Milke mit der Tat in Verbindung gebracht hätten. Der einzige Zeuge war ein Polizist, der im ursprünglichen Prozess ausgesagt hatte, dass Milke die Mitschuld an dem Mord gestanden habe. Das konnte er aber weder mit Notizen noch einer Tonband-Aufzeichnung belegen. Der mittlerweile pensionierte Ermittler wurde zudem später überführt, in anderen Fällen vor Gericht Falschaussagen gemacht zu haben.

Milke kam gegen umgerechnet 235 000 Euro Kaution auf freien Fuß, unterliegt aber einer nächtlichen Ausgangssperre und darf keinen Alkohol trinken, bis das Verfahren endgültig beendet ist.

Im Dezember entschied ein weiteres Berufungsgericht, die Mordanklage fallenzulassen. Eine Neuauflage des langen Prozesses verstoße gegen die US-Verfassung, weil niemand zweimal für dasselbe Verbrechen vor Gericht gestellt werden dürfe. Mit ihrem Widerspruch dagegen scheiterte die Staatsanwaltschaft nun beim Supreme Court des Staates.

Der Chefankläger Bill Montgomery kritisierte die Entscheidung. Das Gericht habe «Kriminalitätsopfer, vor allem Christopher, ihrer Rechte auf Fairness, ein ordentliches Verfahren und Gerechtigkeit beraubt». Milkes Anhänger dagegen bejubelten die Entscheidung.

Ihre Verteidiger reichten unterdessen eine potenziell millionenschwere Schadenersatzklage gegen den Staat und die Polizei wegen ihrer ungerechtfertigten Inhaftierung ein.