Arbeitskampf bei der Bahn: Schon jetzt Ausfälle

Die Fahrgäste der Deutschen Bahn trifft heute der zweite bundesweite Lokführer-Streik in acht Tagen. Bereits seit Mitternacht gilt ein im Fernverkehr - zahlreiche Züge fallen aus.

Arbeitskampf bei der Bahn: Schon jetzt Ausfälle
Hendrik Schmidt Arbeitskampf bei der Bahn: Schon jetzt Ausfälle

Mit einem zweiten Notfahrplan versucht die Bahn, die Auswirkungen des angekündigten Lokführerstreiks weiter zu mildern. «Ab Mittwochmorgen fahren nicht nur die Züge des Fernverkehrs nach einem Ersatzfahrplan, ab 9.00 Uhr gibt es auch im Regionalverkehr einen eingeschränkten Fahrplan», sagte Bahn-Sprecher Matthias Franke. Ziel sei es, trotz des Streiks so viele Reisende wie möglich ans Ziel zu bringen.

Der eigentliche Streik der Lokführer-Gewerkschaft GDL soll um 14.00 Uhr beginnen bis 4.00 Uhr am Donnerstagmorgen dauern. Dann sollen flächendeckend die Züge stehen bleiben - im Fern- und Regionalverkehr wie auch bei den S-Bahnen.

Auch nach dem Ende des Streiks dürfte es Zugausfälle und Verspätungen geben. «Wir werden Donnerstagmorgen so schnell wie möglich versuchen, wieder den Normalbetrieb aufzunehmen», sagte ein Bahnsprecher. Pendler sollten am Donnerstagmorgen aber mehr Zeit einplanen, um rechtzeitig an den Arbeitsplatz zu kommen. Auch der Güterverkehr ist von dem Ausstand betroffen.

Ob weitere Streiks eventuell am Wochenende drohen, wollte GDL-Chef Claus Weselsky nicht sagen. «Wir kündigen jede Arbeitskampfmaßnahme rechtzeitig an», sagte Weselsky dem «Tagesspiegel» (Mittwoch). Er vertrat zudem die Ansicht, die GDL habe die Fahrgäste der Bahn rechtzeitig vor den Streiks. «Am Vorabend 18 Uhr ist rechtzeitig, wenn die Streiks um 14 Uhr beginnen», sagte er.

Die Bahn kritisierte den Streik als völlig unverständlich. Die GDL will das Unternehmen damit im laufenden Tarifkonflikt zu Zugeständnissen zwingen. Sie betonte, ihrerseits zu Kompromissen bereit zu sein. Die GDL verlangt die Beschäftigten fünf Prozent mehr Geld und zwei Stunden weniger Wochenarbeitszeit. Sie will zudem auch für das übrige Zugpersonal verhandeln.

Nach zwei Warnstreiks hatten die Lokführer in der Nacht zum vergangenen Mittwoch für neun Stunden zum ersten Mal in dieser Tarifrunde regulär gestreikt - bewirkt hat es nichts. Zwischen Unternehmen und Gewerkschaft herrscht Funkstille. Beide Seiten werfen sich gegenseitig vor, Verhandlungen zu behindern.

Die Bahn will verhindern, dass die Lokführergewerkschaft auch für Zugbegleiter, Bordgastronomen und Disponenten verhandelt und so in Konkurrenz zur Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft tritt. Das Unternehmen fürchtet konkurrierende Tarifverträge. Es verweist darauf, dass es schon mehrere Angebote gemacht habe.

Weselsky wirft der Bahn jedoch vor, inhaltliche Tarifverhandlungen zu verweigern. «Die DB verlangt von uns tatsächlich, dass wir die Füße stillhalten, bis wir gesetzlich abgeschafft werden», sagte Weselsky, der ein Gesetz zur Tarifeinheit fürchtet, das die Bundesregierung plant. «Wir haben keine andere Möglichkeit, als mit Arbeitskampfmaßnahmen Druck zu machen», sagte er.