Arbeitslosigkeit auf Drei-Jahres-Tief

Ein Jobkrise sieht anders aus - der deutsche Arbeitsmarkt hat im Oktober mit einem starken Herbstaufschwung überrascht. Die Bundesagentur für Arbeit ist überzeugt: Auch 2015 bringt sinkende Arbeitslosenzahlen.

Der überraschend starke Herbstaufschwung hat die Zahl der Arbeitslosen im Oktober auf ein Drei-Jahres-Tief gedrückt. Mit 2,733 Millionen gab es in Deutschland so wenig Erwerbslose wie zuletzt im November 2011, berichtete die Bundesagentur für Arbeit (BA) in Nürnberg. Auch für das kommende Jahr zeigte sich BA-Chef Frank-Jürgen Weise optimistisch: «2015 sollte das Wachstum größer sein als in diesem Jahr. Für den deutschen Arbeitsmarkt rechne ich mit einer stabilen Entwicklung».

Gestützt auf Analysen des hauseigenen Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) rechnet Weise im nächsten Jahr mit einer durchschnittlichen Arbeitslosigkeit von 2,881 Millionen. Dies wären rund 20 000 weniger als in diesem Jahr.

Im Vergleich zum September sank die Zahl der Menschen ohne Job im Oktober um 75 000, gegenüber dem Vorjahr um 68 000. Die Arbeitslosenquote ging um 0,2 Punkte auf 6,3 Prozent zurück.

Den starken Rückgang der Arbeitslosigkeit im Oktober führte Weise vor allem auf die späten Sommerferien in mehreren Bundesländern zurück. Dadurch hätten Firmen ihre nach dem Ferienende üblichen Einstellungen in diesem Jahr auf den Frühherbst verschoben, erläuterte er. Entsprechend schwach war die Herbstbelebung im September ausgefallen.

Dennoch machten die jüngsten Zahlen auch deutlich, dass der Arbeitsmarkt weiter stabil sei. «Im ersten Halbjahr war die deutsche Konjunktur nur wenig vorangekommen. Auch im zweiten Halbjahr erwarten wir nur ein geringes Wachstum. Auf dem Arbeitsmarkt zeigt sich diese Entwicklung nicht», sagte Weise.

Auch nach der gesenkten Wachstumsprognose der Bundesregierung sieht Weise keinen Anlass, seine optimistische Einschätzung für 2014 zu korrigieren. Er gehe weiterhin von 2,9 Millionen Arbeitslosen im Jahresdurchschnitt aus. Das wären 46 000 weniger als 2013. «Es gibt nicht immer eine direkte Korrelation zwischen der Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts und der Arbeitslosigkeit», sagte Weise.

Zuversichtlich stimmt Weise vor allem die weiter steigende Zahl von Jobs in Deutschland. So habe es zuletzt im September 42,99 Millionen Erwerbstätige gegeben - und damit 381 000 mehr als im Vorjahr, berichtete der Behördenchef. Allerdings profitiere davon nur ein Teil der Arbeitslosen. Viele neuen Stellen würden vielmehr mit gut ausgebildeten Zuwanderern oder Frauen besetzt, die nach der Elternpause in den Beruf zurückkehrten.

Auch bei den Arbeitsplätzen mit voller Sozialversicherungspflicht habe sich der Aufwärtstrend der vergangenen Jahre fortgesetzt: Nach BA-Hochrechnungen gab es zuletzt im Juli 30,32 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte; das waren 479 000 mehr als im Vorjahr. Neue Stellen entstünden vor allem in Dienstleistungsunternehmen, der Industrie und im Gesundheits- und Sozialwesen.

Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) zeigte sich optimistisch: «Die uns vorliegenden Indikatoren geben uns dabei allen Grund zur Zuversicht», sagte sie. Die Zahl der frühzeitigen Arbeitslosmeldungen sei rückläufig, die Zahl der offenen Stellen steige. Überdurchschnittlich sei die Entwicklung bei technischen und wissenschaftlichen Dienstleistungen sowie im verarbeitenden Gewerbe.

Die Oppositionsparteien im Bundestag mahnten hingegen bei der Bundesregierung verstärkte Anstrengungen zum Abbau der Langzeitarbeitslosigkeit an. Noch immer liege die Zahl der Menschen, die ein Jahr oder länger arbeitslos seien, bei über einer Million, sagte die Linken-Abgeordnete Sabine Zimmermann. Die Grünen-Abgeordnete Brigitte Pothmer sprach sich für eine Qualifizierungsoffensive aus, um die Chancen von Langzeitarbeitslosen zu verbessern.