Architekt Henning Larsen mit 87 Jahren gestorben

Er wurde als der «Meister des Lichts» bezeichnet: Skandinavische Leichtigkeit, das Zusammenspiel von Licht und Raum, prägte die Bauten des dänischen Architekten Henning Larsen. Auch in Deutschland erhielt er renommierte Aufträge - etwa für die neue Konzernzentrale von Siemens in München, die derzeit gebaut wird.

Architekt Henning Larsen mit 87 Jahren gestorben
Christian Charisius

Mit 87 Jahren ist Larsen, dessen Schaffen mit hohen Auszeichnungen gewürdigt wurde, am Samstag in Kopenhagen gestorben.

«Dänemark hat nicht nur einen international anerkannten Architekten, sondern einen Inspirator und Mentor für viele Generationen dänischer Architekten verloren», erklärte sie Direktorin der Architekturschule der Königlichen Dänischen Akademie, Lene Dammand Lund. 27 Jahre hatte Larsen als Professor an der Architekturschule unterrichtet. «Er hat gezeigt, dass ein dänischer Architekt in die Welt hinausgehen und einen Unterschied machen kann», sagte Lund der dänischen Nachrichtenagentur Ritzau.

Dieser «Unterschied» ist vielfach honoriert worden. So erhielt Larsen 2012 den «Nobelpreis der Künste», den Praemium Imperiale für Architektur. In diesem Jahr wurde er für das Konzerthaus in Reykjavik mit dem Mies van der Rohe Preis für Europäische Architektur ausgezeichnet.

Henning Larsen wurde 1925 in Opsund in Westjylland geboren. Er lernte Schreiner, ehe er an der Königlichen Dänischen Kunstakademie aufgenommen wurde. Nach Studien in den USA und Großbritannien und Anstellungen in verschiedenen Architekturbüros eröffnete er 1959 zusammen mit einem Studienkollegen sein eigenes Büro. Heute beschäftigt die Firma Henning Larsen Architekten in Kopenhagen 100 Architekten.

Der Name Henning Larsen steht für eine Reihe von bedeutenden Bauwerken, nicht nur in Skandinavien. Das Außenministerium in der saudi-arabischen Hauptstadt Riad gilt als sein Hauptwerk, mit dem ihm 1984 der Durchbruch gelang. In dem monumentalen, festungsartigen Gebäude vereint er islamische und europäische Bautraditionen. Schon damals zeigte Larsen, dass das Spiel mit Licht zu seinem Hauptthema werden sollte.

Im Laufe der Jahre kamen viele weitere öffentliche Gebäude hinzu: die lichtdurchflutete Staatsbibliothek im schwedischen Malmø, die wellenförmigen Wohnhäuser am dänischen Vejle-Fjord, die verschachtelte IT-Universität in Kopenhagen und schließlich das Opernhaus der Stadt. In Deutschland baute Larsen unter anderem die mit Muschelkalk verkleidete Kunsthalle in Mannheim und die «Spiegel»-Zentrale in der Hamburger Hafencity.

«Seine Art zu arbeiten, so dass sich der Raum mit Licht füllt und man ganz ruhig wird und sich wohlfühlt, das ist es, was er besser kann als andere», sagt Lene Dammand Lund. Außerdem habe Larsen ein gutes Auge für Talente gehabt und viele begabte Menschen inspiriert. «Eine Ausbildung bei Henning Larsen ist immer noch ein Gütesiegel, auch wenn er vor vielen Jahren aufgehört hat.»

Seine Unterrichtsmethoden kamen auch bei den Studenten gut an. «Bei Henning durfte man experimentieren, vom Thema abweichen und hochfliegende Diskussionen führen, ohne gleich mit dem dänischen gesunden Menschenverstand und den Vorschriften des modernistischen Geschmacks konfrontiert zu werden», sagte Peter Thule Kristensen von der Architekturschule der Kunstakademie. Er dankt Henning Larsen auf der Website der Akademie dafür, «dass du uns die Augen geöffnet hast für die große Welt und für das Große in unserer eigenen Welt.»