ARD und Verleger bei «Tagesschau»-App auf Versöhnungskurs

Zwei Jahre nach der Verleger-Klage gegen die «Tagesschau»-App stehen die Zeichen auf Versöhnung.

ARD und Verleger bei «Tagesschau»-App auf Versöhnungskurs
Julian Stratenschulte

Dass die kostenlose Anwendung für iPad und andere Tabletcomputer sich mehr auf Videos konzentriere und die Zeitungen auf Text, könne den Konflikt lösen, sagte Christian Nienhaus, Geschäftsführer der Funke Mediengruppe und Vorsitzender der NRW-Zeitungsverleger beim Medienforum NRW in Köln.

Außerdem sei denkbar, dass ARD und ZDF ihre Bewegtbilder auch den Zeitungsverlagen zur Verfügung stellten.

Mehrere Verlage hatten beim Medienforum 2011 verkündet, dass sie die ARD verklagten, weil die «Tagesschau»-App «presseähnlich» sei und als kostenloses Angebot den Markt verzerre.

Das Landgericht Köln hatte die App zwar nicht verboten, am Beispiel einer Ausgabe aber festgestellt, dass sie presseähnlich sei.

Marc Schröder von RTL interactive wies am Donnerstag darauf hin, dass kostenlose Videoangebote der Öffentlich-Rechtlichen für die Privatsender eine Konkurrenz darstellten: «Die Tatsache, dass die "Tagesschau"-App jetzt mehr Bewegtbild machen soll, löst für Sie das Problem, für uns ist es gerade das Problem», sagte er in Richtung Verleger. Er wolle aber keine alten Gräben aufreißen, fügte Schröder hinzu.

Nienhaus und der ARD-Vorsitzende und NDR-Intendant Lutz Marmor betonten das gemeinsame Anliegen, Profi-Journalismus zu liefern.

Das Internet sei für Demokratiebewegungen oder für Proteste wie derzeit in der Türkei ein wichtiges Medium und schaffe auch Zugang zu vielen Quellen.

Die dürften aber nicht ungeprüft bleiben, sagte Nienhaus: «Da setzt unser Auftrag ein - dass hauptamtliche Journalisten untersuchen müssen: Stimmen die Argumente oder stimmen sie nicht?» Und Marmor fügte hinzu: «In solchen Kämpfen, wie wir sie erleben, wird jede Gruppe versuchen, die Macht der Bilder manipulativ einzusetzen.» Das aufzudecken, brauche Journalistinnen und Journalisten.