Aretha Franklin über junge Künstler und Deutschland

Wenige Frauen verdienen den Titel «Diva» so sehr wie Aretha Franklin. Die 72-jährige «Queen of Soul» denkt aber noch lange nicht ans Aufhören.

Aretha Franklin über junge Künstler und Deutschland
Jeff Kowalsky Aretha Franklin über junge Künstler und Deutschland

Der Deutschen Presse-Agentur erzählte sie, warum sie anderer Leute Lieder singt, welche jungen Künstler sie mag - und warum sie zumindest ein bisschen Deutsch können möchte.

Frage: Good Morning, Ms. Franklin.

Antwort (auf Deutsch): Guten Morgen. Sprechen Sie deutsch?

Frage: Na, klar. Sie ja auch! Wollen wir das Interview auf Deutsch führen?

Antwort (auf Englisch): Um Gottes Willen, nein. Ein paar Sätze habe ich wohl drauf. Aber lassen Sie uns bei Englisch bleiben. Dabei geht es mir deutlich besser.

Frage: Das ist das Stichwort: Wie geht es Ihnen? Sie hatten ein paar gesundheitliche Probleme. Müssen sich die Fans Sorgen machen?

Antwort: Ach was, mir geht es prima. Ich bin wieder kerngesund. Ich bin gerade auf einer Tour mit 15 Konzerten. Macht man das, wenn man krank ist? Außerdem habe ich gerade eine CD aufgenommen.

Frage: ... auf der Sie Songs von anderen singen. Warum?

Antwort: Ich wünschte, ich hätte die Idee gehabt, aber es war (der Produzent) Clive Davis. Er hat mir eine Liste mit Liedern vorgelegt, die ich singen könnte. Und ich habe mir die besten rausgesucht und ein paar hinzugefügt. Da waren Songs dabei, von denen ich mir als junges Mädchen die Platten gekauft hatte. Und jetzt darf ich sie selbst singen!

Frage: Zum Beispiel von Gladys Knight oder Barbra Streisand.

Antwort: Wussten Sie, dass Barbra und ich fast gleich alt sind? Wir sind nicht einmal einen Monat auseinander. Auf der Beerdigung von (Komponist) Marvin Hamlisch habe ich sie schon aus einer Meile Entfernung gehört: Wo ist Aretha? Wo ist Aretha? Wir haben uns unterhalten und waren uns schnell einig, dass wir mal die Lieder der anderen singen sollten.

Frage: Sie covern auch die gefeierte junge britische Künstlerin Adele. Kannten Sie sie vorher?

Antwort: Nicht so richtig. Aber ich habe jetzt gemerkt, was für eine tolle Künstlerin sie ist. Sie schreibt und singt großartige Songs, zum Beispiel (singt) «Rolling In The Deep». Was für großartige Musik! Ich habe mir gleich die CD gekauft.

Frage: Klingt so, als ob Sie eine Menge Spaß hatten.

Antwort: Das habe ich immer beim Singen. Aber es stimmt, diesmal noch mehr. Musik kann so wunderbar Gefühle transportieren, deshalb liebe ich sie so. Und hier sind es auch noch meine Lieblingssongs. Lieder, die ich seit Jahrzehnten kenne. Und Lieder von heute, die jetzt schon Klassiker sind.

Frage: Sie hatten das Gespräch auf Deutsch begonnen. Haben Sie denn eine besondere Beziehung zu Deutschland?

Antwort: Ich fühle mich überall wohl, wo mir treue Fans das Gefühl geben, willkommen zu sein. Ich habe wunderbare Erinnerungen, zum Beispiel an Köln oder Frankfurt. Ja, ich bin sehr, sehr gern in Deutschland.

Frage: Und da haben Sie sogar etwas Deutsch gelernt?

Antwort: Naja, ein bisschen. Zumindest Zahlen, Farben, Grundbegriffe und so etwas. Ich möchte mich mit Menschen schon besser verstehen als nur in der Zeichensprache. Und bisher hatte ich zuletzt immer das auf dem Teller, was ich auch bestellen wollte. Ich weiß, dass Ihr alle Englisch sprecht. Aber wenn ich in einem fremden Land bin, möchte ich zum Beispiel mein Essen in der Sprache des Gastlandes bestellen. Das gehört sich so.

ZUR PERSON: Aretha Franklin ist eine der erfolgreichsten Soul-Künstlerinnen. Die 72-Jährige gewann 18 Grammys und war 112 Mal in den Hitlisten von «Billboard». Ihr bekanntester Song, «Respect», wurde dutzendfach kopiert und ist zu einer Hymne für verschiedene gesellschaftliche Bewegungen geworden. Vor zwei Jahren wurde sie in die Gospel Music Hall of Fame aufgenommen. In der Ruhmeshalle des Rock'n'Roll ist sie schon seit 1987. Ihr 20. und letzter Nummer-eins-Hit, «Freeway of Love», ist allerdings fast 30 Jahre her.