Athen: Börsentalfahrt und Privatisierungszwist

Talfahrt des Aktienmarktes, umstrittene Privatisierungspläne und streikende Fluglotsen: Griechenland kommt nicht zur Ruhe. Auch den dritten Tag in Folge verbuchte die Börse in Athen am Mittwoch kräftige Verluste. Während vor allem die Aktien der vier systemrelevanten Banken des Landes erneut in den Keller rauschten, verhandelte die Regierung mit den Gläubigern über zusätzliche Sparauflagen im Gegenzug für neue Milliardenhilfen. Ministerpräsident Alexis Tsipras gab sich optimistisch. Die Gespräche befänden sich «auf der Zielgeraden», sagte er im Fernsehen. Ein Streik der Fluglotsen sorgte für stundenlange Behinderungen im Luftverkehr.

Der Leitindex der Athener Börse ging mit einem Minus von rund 2,5 Prozent aus dem Handel. Die Aktien der Piraeus Bank und der Alpha Bank fielen erneut knapp 30 Prozent - dem größtmöglichen Tagesverlust. Die Eurobank-Papiere rutschten 26,7 Prozent ab, die der National Bank (NBG) etwa 24 Prozent.

Am «schwarzen Montag» - dem ersten Handelstag nach gut einem Monat Zwangspause - hatte es an der Athener Börse einen Kurssturz von gut 16 Prozent gegeben. Tags darauf erholte sich der Leitindex und lag am Schluss mit einem Minus von 1,22 Prozent bei 659,94 Punkten.

Finanzminister Euklid Tsakalotos und Wirtschaftsminister Giorgos Stathakis führten in einem Athener Hotel die Gespräche mit den Gläubigern über weitere Reformschritte fort. Laut griechischen Medien kreisten die Gespräche vor allem darum, wie der Privatisierungsfonds Taiped umstrukturiert werden soll, damit in den kommenden 30 Jahren die anvisierten 50 Milliarden Euro durch den Verkauf griechischen Staatsvermögens in die öffentlichen Kassen fließen. Mit einem Teil der Erlöse sind Schuldenrückzahlungen geplant.

Zudem wurde das Problem der Rekapitalisierung der Banken erörtert. «Sowohl die Gläubiger als auch wir wünschen, dass dieses Verfahren bis zum Jahresende vollendet ist», sagte Finanzminister Tsakalotos nach dem Ende der Verhandlungen. Die Gespräche sollen am Donnerstag fortgesetzt werden. Die größten Probleme stellen nach Berichten des Staatsfernsehens die faulen Kredite dar, die mittlerweile ein Volumen von 120 Milliarden Euro erreicht hätten. 

Die Geldgeber fordern zudem, Steuererleichterungen für Bauern abzuschaffen, ein höheres Renteneintrittsalter einzuführen, Streiks durch neue Gesetze einzuschränken und den Arbeitsmarkt zu liberalisieren. Eine Einigung auf die meisten dieser Punkte ist Voraussetzung für ein drittes Hilfspaket in Höhe von bis zu 86 Milliarden Euro. Die Zeit drängt: Am 20. August muss Griechenland liquide genug sein, um 3,2 Milliarden Euro an die Europäische Zentralbank (EZB) zu zahlen.

Auf eine Geduldsprobe gestellt wurden Reisende: Aus Protest gegen die Sparpolitik der Regierung riefen die griechischen Fluglotsen um 14.00 Uhr (13.00 Uhr MESZ) einen vierstündigen Streik aus - gültig für alle Flughäfen des Landes. Sämtliche Flüge in diesem Zeitraum wurden annulliert. Während viele Inlandsverbindungen ganz ausfielen, wollten die Fluglinien die meisten internationalen Verbindungen zeitlich versetzt außerhalb der Streikzeitraums bedienen.