Das Referendum spaltet Griechenland

Die griechische Bevölkerung zeigt sich in Umfragen vor dem Referendum über die umstrittenen Sparvorgaben gespalten. In Athen demonstrierten am Freitagabend jeweils Zehntausende für oder gegen die Reformprogramme zur Sanierung des hoch verschuldeten Eurolandes.

Das Referendum spaltet Griechenland
Armando Babani Das Referendum spaltet Griechenland

Nach den gescheiterten Verhandlungen mit den internationalen Finanzgebern gilt das Votum der Bevölkerung am Sonntag als wichtiges Signal für eine mögliche Wiederaufnahme der Gespräche.

Auch nach der Volksabstimmung können die Griechen nicht mit einer schnellen Rettung rechnen. Die Bundesregierung dämpfte am Freitag Hoffnungen der Linksregierung in Athen, zügig frische Hilfsgelder zu erhalten. Der Ausgang des Referendums ist laut Umfrage völlig offen.

Regierungschef Alexis Tsipras rief seine Landsleute auf, mit einem «Nein» neue Verhandlungen mit den Geldgebern zu ermöglichen. Dagegen erwarten Euro-Finanzexperten, dass eine mehrheitliche Ablehnung den Verbleib Griechenlands im Euroraum gefährden dürfte.

Tsipras warb am Freitagabend in Athen vor Zehntausenden Anhängern für eine Ablehnung der internationalen Sparvorgaben. «Am Sonntag werden wir nicht nur einfach über unseren Verbleib in Europa entscheiden, sondern über die Frage, ob wir mit Würde in Europa bleiben», sagte Tsipras auf dem Syntagma-Platz. An der Kundgebung beteiligten sich nach Schätzungen etwa 30 000 Menschen.

Der Linke-Parteichef Bernd Riexinger beteiligte sich in Athen an den Kundgebungen zur Unterstützung von Tsipras. «Es ist keine Abstimmung für oder gegen den Euro. Ich finde es verantwortungslos, wenn Spitzenpolitiker in Deutschland es dazu machen», sagte Riexinger der Deutschen Presse-Agentur. Auch in Berlin und anderen deutschen Städten sowie in Brüssel gingen Gegner der Sparvorgaben für Griechenland auf die Straßen.

Die Befürworter der Reformvorhaben kamen am Abend ebenfalls in der griechischen Hauptstadt zusammen. Etwa 20 000 Regierungsgegner sprachen sich dafür aus, auf die Forderungen der internationalen Geldgeber einzugehen, um die drohende Staatspleite des Euro-Krisenlandes zu verhindern.

Bei der Volksabstimmung zeichnet sich einer neuen Umfrage zufolge eine äußerst knappe Entscheidung ab. 41,7 Prozent der Befragten zeigen sich demnach mit den Forderungen der Gläubiger einverstanden, 41,1 Prozent kündigten ein «Nein» beim Referendum an. Das ergab eine Umfrage, die am Freitagabend im griechischen Nachrichtenportal «To Proto Thema» veröffentlicht wurde. Auch in früheren Umfragen lagen Befürworter und Gegner der Sparvorhaben nah beieinander.

Der Chef des Ifo Instituts, Hans-Werner Sinn geht davon aus, dass sich die Situation nach dem Referendum weiter verschärfen wird. «Da gibt es nur zwei Optionen: Entweder es kommt zu einem Verhandlungswunder mit den Gläubigern, oder Griechenland verlässt die Euro-Zone und kehrt zurück zur Drachme», sagte Sinn der «Passauer Neuen Presse» (Samstag). «Der Grexit ist jetzt der für alle Beteiligten beste Weg.»

Der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Eric Schweitzer, rief die deutschen Unternehmen in Griechenland auf, in jedem Fall ihre Geschäftsbeziehungen aufrechtzuerhalten. «Natürlich können Geschäftskontakte nicht bei dauerhaften Zahlungsschwierigkeiten bestehenbleiben, aber sie sollten so weit wie möglich aufrechterhalten werden», sagte Schweitzer der dpa. Es wäre nicht gut, die griechische Wirtschaft jetzt zusätzlich zu belasten.