Griechische Banken geschlossen - Börsen geschockt

Die dramatische Zuspitzung der Griechenland-Krise mit Bankenschließungen und drohender Staatspleite hat am Montag die Finanzmärkte in Aufruhr versetzt.

Zum Handelsauftakt an den europäischen Börsen rutschten die Kurse tief ins Minus, erholten sich dann aber wieder etwas. In Athen hatte die Börse gar nicht erst aufgemacht. Der deutsche Leitindex Dax rutschte zum Start um mehr als vier Prozent ab, mittags lag der Rückgang im Vergleich zum Freitag noch bei gut drei Prozent. Der Euro-Wechselkurs konnte sich ebenfalls wieder etwas fangen und lag zuletzt bei gut 1,11 Dollar und damit knapp einen Cent im Minus.

In Griechenland bleiben Banken und Börse bis Anfang kommender Woche geschlossen. Regierungschef Alexis Tsipras hatte die Schließung der Finanzinstitute und die Einführung sogenannter Kapitalverkehrskontrollen am Sonntagabend in einer emotionalen Rede angekündigt. In den vergangenen Tagen hatten immer mehr verängstigte Bürger Bargeld abgehoben und damit die Geldhäuser in Schwierigkeiten gebracht. An Geldautomaten dürfen Griechen seit Montag maximal 60 Euro pro Tag abheben, für ausländische Bankkarten soll die Beschränkung aber nicht gelten. Dennoch riet das Auswärtige Amt deutschen Griechenland-Besuchern bereits am Sonntag, ausreichend Bargeld mitzunehmen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) will am frühen Nachmittag mit den Spitzen der im Bundestag vertretenen Parteien über die jüngsten Entwicklungen in Griechenland beraten und anschließend mit Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) eine Erklärung abgeben. US-Präsident Barack Obama und Merkel drückten in einem Telefonat ihre Besorgnis aus. Beide Seiten hielten es für äußerst wichtig, alles zu unternehmen, dass Griechenland innerhalb der Eurozone Reformen umsetzen und Wachstum erzielen kann, teilte das Weiße Haus mit.

Frankreich zeigte sich zur Wiederaufnahme der Verhandlungen mit Athen bereit. Er wünsche sich, dass die Gespräche weitergeführt würden, sagte Frankreichs Präsident François Hollande am Montag in Paris. Griechenlands Premier Tsipras hatte für diesen Sonntag (5.7.) eine Volksabstimmung über die Reformvorschläge der Gläubiger Griechenlands angekündigt. Daraufhin brachen die Euro-Finanzminister am Samstag ihre Verhandlungen mit Athen ab. Das derzeitige Hilfsprogramm läuft am Dienstag aus, ohne dass Griechenland noch ausstehende Milliardenkredite erhält. Damit wird es für das hochverschuldete Land praktisch unmöglich, am gleichen Tag eine Rückzahlung über 1,54 Milliarden Euro an den Internationalen Währungsfonds (IWF) zu leisten. Denkbar sind mittelfristig auch der Staatsbankrott und das Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone («Grexit»), das die Regierung aber verhindern will.

Tsipras rief seine Landsleute zur Besonnenheit auf. «Geldeinlagen in griechischen Banken sind absolut sicher», sagte er. Gehälter und Renten seien «garantiert». In den kommenden Tagen seien Geduld und Gelassenheit nötig. Die kritische Situation könne überwunden werden. Bislang hat mit Zypern erst ein Euroland jemals Kapitalverkehrskontrollen verhängt.

Zunächst hatten die Börsen in Asien auf die Zuspitzung der Krise reagiert. In Japan verlor der Nikkei-Index zum Handelsschluss 2,88 Prozent auf 20 109,95 Zähler. Beim Dax lag der Kurssturz nach Öfnung der Börsen bei beachtlichen 4,12 Prozent auf 11 010,38 Punkte, der Leitindex der Eurzone, der EuroStoxx50, gab sogar um 4,66 Prozent nach. Die Griechenland-Krise dämpfte auch den Ölpreis. Anleger flüchteten in die als sicher geltenden deutschen Staatsanleihen. In Ländern wie Italien, Spanien und Portugal legten die Risikoaufschläge für Staatspapiere dagegen spürbar zu.

Als Auslöser für die Bankschließungen und Kapitalverkehrskontrollen gilt der Beschluss der Europäischen Zentralbank (EZB) vom Sonntag, die Notkredite für griechische Banken zunächst einzufrieren. Dies setzt die Kreditinstitute unter Druck, da der bewilligte Kreditrahmen dem Vernehmen nach bereits ausgeschöpft war. Noch fataler wäre jedoch eine Entscheidung gewesen, die Notfall-Liquiditätshilfen (Ela) ganz zu kappen. Denn streng genommen dürfen diese Kredite nur an Banken vergeben werden, die einen vorübergehenden finanziellen Engpass haben - was im Fall Griechenland umstritten ist. Die EZB will nun am Mittwoch wieder über die Ela-Kredite entscheiden.