Attentäter soll Verbindung zu US-Neonazis gehabt haben  

Der mutmaßliche Mörder der Abgeordneten Jo Cox hatte laut Presseberichten Verbindungen zu einer Neonazi-Organisation in den USA. Er sei längere Zeit Unterstützer der Gruppe Nationale Allianz gewesen, schreibt die «Washington Post» unter Berufung auf das Southern Poverty Law Center.

Attentäter soll Verbindung zu US-Neonazis gehabt haben  
Jon Super Attentäter soll Verbindung zu US-Neonazis gehabt haben  

1999 habe er sich ein Handbuch bestellt, in dem auch eine Gebrauchsanweisung zum Bau einer Pistole enthalten gewesen sei.

Dagegen äußerte sich die britische Polizei einen Tag nach dem Verbrechen nicht zu einem möglichen Hintergrund. Der 52 Jahre alte, aus Schottland stammendende Tatverdächtige werde weiter verhört, hieß es am Freitag.

Die britische Zeitung «Daily Telegraph» berichtete zudem, der 52-Jährige habe früher eine Zeitung abonniert, die von einer südafrikanischen Pro-Apartheid-Organisation herausgegeben worden sei.

Brüder des mutmaßlichen Attentäters äußerten allerdings Zweifel an einer politischen Motivation hinter dem Verbrechen. Die Zeitung «The Telegraph» zitierte einen Bruder des 52-Jährigen in ihrer Online-Ausgabe mit den Worten, sein Bruder habe eine «Geschichte psychischer Krankheiten, allerdings hatte er Hilfe gehabt». Er fügte hinzu: «Mein Bruder ist nicht gewalttätig und ist überhaupt nicht politisch.»

Die 41-jährige Labour-Abgeordnete war am Donnerstag in der nordenglischen Grafschaft Yorkshire auf offener Straße niedergestochen und niedergeschossen worden. Sie starb Stunden später im Krankenhaus. Politiker aller Parteien äußerten sich schockiert. Britische Medien berichteten unter Berufung auf Augenzeugen, der Täter habe «Britain first» gerufen - das ist auch der Name einer rechtsradikalen Partei.  

Cox war für den Verbleib Großbritanniens in der EU eingetreten. Wenige Tage vor der Volksabstimmung über einen Brexit - also ein Ausscheiden aus der Europäischen Union - erhebt sich daher die Frage, ob die Bluttat in Zusammenhang mit dem aufgeheizten Wahlkampf stehen könnte.

Unklar war zunächst, wann die Politiker ihre unterbrochene Kampagne zum EU-Referendum am 23. Juni wieder aufnehmen. Auch die möglichen Auswirkungen der Bluttat auf den Ausgang des Votums sind völlig ungeklärt.

«Das sind absolut tragische und schreckliche Nachrichten», sagte Premierminister David Cameron nach der Tat. Im ganzen Land wurden Mahnwachen abgehalten, Fahnen auf halbmast gesetzt. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sprach von einem «tragischen Vorfall». Das US-Außenministerium zeigte sich «geschockt und entsetzt».

Die Brüsseler EU-Kommission reagierte bestürzt. «Jos Tod hat Menschen in aller Welt schockiert und mit Trauer erfüllt, darunter viele hier in Brüssel», sagte der Chefsprecher der Behörde am Freitag. «Sie hatte viele enge Freunde in dieser Stadt, und sie betrauern heute einen Verlust, der schmerzhaft und schwer erträglich ist.»

Die Grünen sehen in dem tödlichen Angriff auf eine britische Abgeordnete und EU-Befürworterin eine Mahnung, sich gegen Radikalisierung zu engagieren. Der Fall mache deutlich, wie groß die Polarisierung in Großbritannien vor dem Referendum über die EU-Mitgliedschaft kommende Woche sei, sagte Grünen-Chefin Simone Peter am Freitag in Berlin. Nicht nur in Großbritannien, sondern auch in vielen anderen Ländern führten zunehmende Radikalisierung und Hetze zu Mordanschlägen. «Das muss uns bewegen.»