Auch Peter Maffay ist «Charlie» beim Tour-Auftakt

Nach einer guten Stunde, das Konzert hat schon mächtig Fahrt aufgenommen, wird Peter Maffay beim Tournee-Auftakt in Hamburg politisch.

Auch Peter Maffay ist «Charlie» beim Tour-Auftakt
Joern Pollex Auch Peter Maffay ist «Charlie» beim Tour-Auftakt

Während auf den drei großen Monitoren über der Bühne auf schwarzem Grund mit weißer Schrift «Je suis Charlie» eingeblendet wird, findet der Rockmusiker deutliche Worte zu den jüngsten Anschlägen in Paris und zum «idiotischen Terrorismus, der sich wie die Pest ausbreitet». Maffay, selber Vater, geißelt auch den Anschlag in Nigeria, bei dem eine Zehnjährige zu einem Selbstmordanschlag gezwungen worden sein soll und mindestens 20 Menschen mit in den Tod riss.

«Das dürfen wir nicht zulassen», sagt Maffay, und die 14 000 Fans in der restlos ausverkauften Halle spenden Beifall. «Lasst uns eine Kraft bilden, die stärker ist als dieser Wahnsinn.» Gegen «religiöse und politische Rattenfänger» gebe es nur ein Mittel: «Wir müssen gemeinsam als Weltgemeinschaft antreten über alle Religions- und Ländergrenzen hinweg.»

Die politische Standpauke dauert wenige Minuten, das Konzert mehr als drei Stunden. Maffay hat eine klare Struktur. Anfangs stehen Songs seines aktuellen Albums «Wenn das so ist» im Mittelpunkt. Ein Höhepunkt ist hier seine Biker-Hymne «Gelobtes Land», dazu werden Bilder eines Easy-Riders unterwegs eingeblendet, das Publikum johlt und klatscht mit. Maffay ist selbst leidenschaftlicher Motorradfan.

Als zweiten Teil interpretieren Maffay und seine Band mit acht exzellenten Musikerinnen und Musikern Klassiker der Rock- und Popmusik seit den 1960er Jahren. «Es gibt eine große Reihe musikalischer Helden, die uns beeinflusst und inspiriert haben», sagt Maffay. Und so singt er «Love me Tender» von Elvis Presley, «Heart of Gold» von Neil Young, «Route 66» von Bobby Troup oder auch «Angie» von den Rolling Stones. Das zeigt Größe, war Maffay doch 1982 als Sänger im Vorprogramm der Stones ausgepfiffen worden.

Längst ist Maffay selber ein großer Rock'n'Roller geworden. 16 Alben, die alle auf Platz eins der Charts landeten, das hat außer ihm in Deutschland niemand geschafft. 50 Millionen verkaufte Platten, dazu 10 Millionen verkaufte Konzerttickets sind weitere Zahlen seines Erfolgs. Musikalisch hat er einen ganz eigenen, satten Rocksound entwickelt, der die Fans begeistert. «Habe ich nicht eine der geilsten Bands?», fragt er rhetorisch.

Es sind alles herausragende Könner, aber Publikumsliebling ist zweifellos Saxophonist Everette Harp. Drummer Bertram Engel begeistert im Schlagzeug-Duell mit Charlotte Klauser, die auch singt und Geige spielt. Die südkoreanische Crossover-Violinistin Jenny Bae ist ein weiterer Star in der Band, ebenso die Sängerin Linda Teodosiu sowie Gitarrist Peter Keller und am Piano Pascal Krevitz.

Zwischendurch wird eine Fender-Gitarre verlost, an einen Familienvater, der bei Kiel wohnt. Der 62-Jährige gewann bei einer Lotterie zugunsten von Maffays Kinderstiftung. Bei der Aftershow-Party nach dem Konzert bekommt der Musiker dann auch noch von einem Konzern aus Wolfsburg einen Scheck über 761 000 Euro für seine Stiftung. «So viel Geld hatte ich nie in der Hand», bedankt sich ein sichtlich gerührter Maffay.

«Wenn wir von der Bühne gehen, ohne einige alte Gassenhauer gespielt zu haben, gibt es Haue», leitet Maffay den letzten Teil des Konzerts ein. Die Fans in Hamburg konnten bis zum Konzertbeginn per SMS abstimmen, welche Maffay-Hits sie hören wollten: «Eiszeit», «Halt Dich an mir fest» und «Sieben Brücken», das Publikum schwelgt im Maffay-Rausch. Als Zugabe zieht Maffay seinen alten Hit «Sonne in der Nacht» mit seiner Band immer wieder in die Länge. Symbolreich endet der Song «Sonne in der Nacht, wie hast Du das gemacht».

Nach einem Auftritt am Freitag in der Dortmunder Westfalenhalle steht am Samstag in Köln ein Konzert mit 17 000 Fans an. Die Tournee mit 19 Konzerten ist laut Agentur bis auf wenige Restkarten ausverkauft - bereits 200 000 Tickets wurden veräußert.