Außenminister setzen Atomgespräche mit Iran fort

Die Atomgespräche mit dem Iran gehen in den dritten Tag. In Genf arbeiten mehrere Außenminister mit den Unterhändlern der neuen Teheraner Regierung an einer Übergangslösung. US-Präsident Obama versucht in der Zwischenzeit, das Misstrauen Israels zu dämpfen.

Am Samstagmorgen kamen in Genf zunächst US-Außenminister John Kerry und die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton zusammen. Dann stand ein Treffen der beiden mit dem iranischen Außenminister Mohammed Dschawad Sarif auf dem Verhandlungsplan. Zuvor hatte US-Präsident Barack Obama versucht, die offene Empörung des israelischen Regierungschefs Benjamin Netanjahu über eine mögliche Zwischenlösung zu dämpfen.

Obama habe Netanjahu am Freitag angerufen, um mit ihm über «unsere andauernden Bemühungen um eine friedliche Lösung» des Konflikts zu sprechen, teilte das Weiße Haus mit. «Der Präsident brachte den Ministerpräsidenten auf den neuesten Stand ... und unterstrich seine starke Verpflichtung, den Iran an einem Atomwaffenbesitz zu hindern», hieß es weiter. Das sei das Ziel der Genfer Gespräche.

Netanjahu hatte zuvor sein tiefes Misstrauen gegenüber den iranischen Absichten bekräftigt und erklärt, Israel werde sich nicht durch eine mögliche Vereinbarung der internationalen Gemeinschaft mit dem Iran binden lassen.

Auf dem Verhandlungstisch liegt eine Übergangslösung, wie es aus Delegationskreisen hieß. Demnach soll Teheran sein Atomprogramm zunächst aussetzen. Im Gegenzug sollen einige der gegen das Land verhängten Wirtschaftssanktionen aufgeweicht oder auf ausländischen Bankkonten blockierte Gelder aus Öleinnahmen freigegeben werden.

In einem zweiten Schritt soll dann über ein umfassenderes Abkommen verhandelt werden. Dieses soll sicherstellen, dass der Iran nicht unter dem Deckmantel eines zivilen Atomprogramms an Nuklearwaffen arbeitet. Teheran will diese Sorge ausräumen, fordert aber im Gegenzug die Anerkennung des Rechts auf ein ziviles Atomprogramm, einschließlich der Urananreicherung auf bis zu fünf Prozent, sowie die Aufhebung von Wirtschaftssanktionen.

Wegen der Hoffnungen auf einen Durchbruch in den seit Jahren stockenden Verhandlungen waren die Gespräche zunächst bis Samstag verlängert worden. Ein hoher US-Regierungsbeamter sagte am Freitagabend, bei der Überbrückung von Meinungsverschiedenheiten seien weitere Fortschritte gemacht worden. Aber es gebe noch viel Arbeit zu tun.

An den Verhandlungen in Genf sind auch der britische Außenminister William Hague, der amtierende Bundesaußenminister Guido Westerwelle und Frankreichs Außenamtschef Laurent Fabius beteiligt. Aus Russland sind Außenminister Sergej Lawrow, aus China Vizeaußenminister Li Baodong angekündigt.