Aufbruchstimmung verpufft: Davis-Cup-Team ohne Chance

Abstiegskampf statt Aufbruchstimmung: Auch unter dem neuen Davis-Cup-Teamchef Michael Kohlmann steckt das deutsche Herren-Tennis weiter im tiefen Tal.

Aufbruchstimmung verpufft: Davis-Cup-Team ohne Chance
Arne Dedert Aufbruchstimmung verpufft: Davis-Cup-Team ohne Chance

Gegen den Vorjahresfinalisten Frankreich stand das deutsche Team in Frankfurt am Main bereits nach dem Doppel als Verlierer fest. Vom 18. bis 20. September geht es nun in der Relegation um den Verbleib in der Weltgruppe der 16 besten Teams. Der Gegner wird bei der Auslosung am 21. Juli ermittelt.

Auf wen auch immer die deutsche Mannschaft im Herbst trifft, die Partie wird kein Selbstläufer. Zwar hat der Verband durch die Trennung von Carsten Arriens auf der Trainerbank einen Wechsel vorgenommen, doch die Qualität der Spieler wird nicht automatisch besser.

Gerade einmal fünf Profis rangieren derzeit noch in den Top 100 der Welt. Erstrundengegner Frankreich hat dort nur zwei Akteure mehr - diese stehen aber alle unter den besten 40.

Die Deutschen verfügen in Philipp Kohlschreiber (28.) im Moment nur über einen Spieler, der gehobenen Ansprüchen genügt. Doch der streitbare Augsburger war am Wochenende nach einer fiebrigen Erkältung nicht im Vollbesitz seiner Kräfte. Bei der Niederlage gegen Gael Monfils am Freitag war er in drei Sätzen nahezu chancenlos, das Doppel am Samstag ließ er lieber aus.

Die Not-Paarung Benjamin Becker und Andre Begemann stand gegen das französische Spitzen-Duo Julien Benneteau und Nicolas Mahut beim 4:6, 3:6, 2:6 völlig auf verlorenem Posten. Während die französischen Fans nach dem frühzeitig gesicherten Viertelfinal-Einzug die Marseillaise anstimmten, schlichen die deutschen Profis aus der Halle. «Es hat sich nicht gut angefühlt», gestand Begemann.

Einziger Hoffnungsschimmer war der couragierte Auftritt von Jan-Lennard Struff im Auftakteinzel gegen Gilles Simon. Der 24-Jährige hatte den 14. der Weltrangliste am Freitag am Rande einer Niederlage, verlor am Ende aber doch nach fast viereinhalb Stunden mit 8:10 im fünften Satz.

Struff dürfte dennoch einer sein, der in Zukunft zum festen Kern des Davis-Cup-Teams zählt. Der Sauerländer bringt mit seinem druckvollen Spiel und harten Aufschlägen vieles mit, muss sich dieses Potenzials nur noch öfter selbst bewusstwerden.

Ansonsten sieht es im deutschen Herren-Tennis trist aus. Kohlmann sprach zwar davon, man müsse nun «das gute Gefühl dieser Woche» mitnehmen. Aber auch der 41-Jährige dürfte wissen, dass ein steiniger Weg vor ihm liegt.

Im Verband ist er auch für die Nachwuchsspieler zuständig. In dem 17 Jahre alten Alexander Zverev ist da zumindest einer, auf den man sich vielleicht auch in der näheren Zukunft bereits freuen kann. In Frankfurt verzichtete Kohlmann noch auf den Hamburger, er will ihm die nötige Zeit zur Entwicklung geben.

Mit Blick auf die Relegation im Herbst bleibt den Verantwortlichen sonst nur die Hoffnung auf die Rückkehr einiger verletzter Spieler. Florian Mayer, Peter Gojowcyk, vielleicht auch Tommy Haas.