Aufholjagd ohne Erfolg: DTB-Damen scheitern in Russland

Gemeinsam mit Sabine Lisicki verlor Andrea Petkovic in der Adler-Arena von Sotschi das entscheidende Doppel im Fed-Cup-Halbfinale gegen Anastasia Pawljutschenkowa und Jelena Wesnina mit 2:6, 3:6.

Aufholjagd ohne Erfolg: DTB-Damen scheitern in Russland
Maxim Shipenkov Aufholjagd ohne Erfolg: DTB-Damen scheitern in Russland

Damit verpassten die deutschen Tennis-Damen nach einer denkwürdigen 2:3-Niederlage gegen das russische B-Team ohne Maria Scharapowa und Jekaterina Makarowa den Einzug ins Endspiel. Die deutsche Nummer eins wurde auf dem Platz von Heulkrämpfen geschüttelt und ließ sich auch von ihrer Freundin Angelique Kerber nicht trösten.

«Ich muss mich gerade sehr zusammenreißen, ich hätte es den beiden sehr gewünscht», sagte Bundestrainerin Barbara Rittner in einer ersten Stellungnahme am Sat.1-Mikrofon. Während im Hintergrund die für den Verlierer so nervtötende Queens-Hymne «We are the champions» lief und die Russinnen mit ihrer Fahne über die rote Asche rannten, versuchte die Teamchefin so gut wie möglich die Contenance zu wahren.

Gut fünf Monate nach dem verlorenen Endspiel in Prag musste die Damen-Auswahl des Deutschen Tennis Bundes vor den Augen von IOC-Präsident Thomas Bach eine weitere Enttäuschung hinnehmen. Die Hoffnungen auf eine historische Wende nach den Niederlagen von Lisicki und Julia Görges am Eröffnungstag und die Chance auf eine Revanche im Heim-Finale gegen die Tschechinnen wurden jäh zerstört. Noch nie hat ein deutsches Fed-Cup-Team einen 0:2-Rückstand noch in einen Sieg gedreht - und dabei blieb es auch. Die Deutschen müssen weiter auf ihren dritten Titel nach 1987 und 1992 warten.

«Wir wollen in dieses Finale. Ich bin so sicher, dass wir das schaffen werden», hatte Petkovic nach ihrer starken Vorstellung gegen Swetlana Kusnezowa noch gesagt. Mit 6:2, 6:1 deklassierte die 27 Jahre alte Darmstädterin die zweimalige Grand-Slam-Turniersiegerin. Anschließend gewann Angelique Kerber 6:1, 6:0 gegen Pawljutschenkowa und sorgte am Sonntag zunächst für den Ausgleich zum 2:2.

Doch der 0:2-Rückstand nach dem völlig verkorksten Eröffnungstag durch die Niederlagen von Lisicki gegen Pawljutschenkowa und Julia Görges gegen Kusnezowa erwies sich als zu große Bürde. Rittner wird sich jetzt die unvermeidlichen Fragen nach ihrer Nominierung gefallen lassen müssen. Auf den ersten Blick hat sich die erfahrene und sonst so clevere Teamchefin schlicht und einfach verzockt mit ihrer Entscheidung, in den ersten beiden Einzeln auf Petkovic und Kerber zu verzichten. Ihr Schachzug mit der müden Petkovic anstelle der Doppel-erfahrenen Görges ging ebenfalls nicht auf.

«Es waren alle Möglichkeiten da, am Ende hat mein Bauch entschieden», sagte Rittner. «Ich wollte erst mit Lisicki und Görges spielen, weil das mein gesetztes Doppel war. Dann hat Andrea so ein gutes Einzel gespielt und fühlte sich körperlich okay. Ich habe wirklich geschwankt, wen ich aufstellen soll», bekannte sie.

Am Samstag schenkte sie Lisicki und Görges das Vertrauen, die zuletzt im Februar 2013 im Fed Cup in einem Einzel spielten. «Ich würde wieder so entscheiden. Ich hatte meine Gründe», hatte Rittner bereits am Samstagabend erklärt. Und wer Petkovic und Kerber in den Tagen vor dem ersten Ballwechsel trainieren sah und sich mit ihnen unterhielt, konnte die Bedenken der Bundestrainerin durchaus nachvollziehen.

Die Strapazen der knapp sechswöchigen USA-Tournee hatten Spuren hinterlassen. «Angie war vor allem körperlich platt. Bei Andrea hat man gemerkt, dass sie mental an der Grenze ist», sagte Rittner. Petkovic wollte eigentlich gar nicht erst antreten - und hätte Lisicki beim 6:4, 6:7 (4:7), 3:6 gegen Pawljutschenkowa im zweiten Satz ihren Matchball genutzt, wäre das Duell anders verlaufen. So aber bleibt der Eindruck einer misslungenen Personal-Rochade.