Aufklärung von Germanwings-Absturz kommt voran

In den französischen Alpen gehen die Bergungsarbeiten nach dem Absturz der Germanwings-Maschine weiter. Einsatzkräfte suchen an der schwer zugänglichen Stelle nach Flugzeugteilen und nach persönlichen Gegenständen der 150 Toten.

Aufklärung von Germanwings-Absturz kommt voran
Yves Malenfer/Dicom/Ministere In Aufklärung von Germanwings-Absturz kommt voran

Mit Beginn des Osterwochenendes kamen wieder vermehrt Angehörige der Getöteten nach Seyne-les-Alpes in der Absturzregion, wie der französische Sender BFMTV berichtete. An der Gedenkstätte in Le Vernet nahe dem Absturzort waren Trauernde zu sehen. Angehörige wurden - wie immer seit dem Absturz am 24. März - von der Polizei abgeschirmt.

Ermittlungen verfestigen Stück für Stück den Verdacht gegen den Copiloten. In Paris ausgewertete Daten des zweiten Flugschreibers zeigen, dass der 27-Jährige die Maschine bei dem von ihm eingeleiteten Sinkflug sogar noch beschleunigte. Die französische Untersuchungsbehörde Bea kündigte weitere Analysen der Blackbox an.

Der Autopilot war laut Bea im Cockpit so eingestellt worden, dass die Maschine auf etwa 30 Meter hinuntergeht. Schon seit Auswertung der ersten Blackbox - des Sprachrekorders, den man noch am Unglückstag fand - wird der Copilot verdächtigt, den Piloten mit Absicht aus dem Cockpit ausgesperrt zu haben.

Die Düsseldorfer Ermittler hatten bereits am Donnerstag mitgeteilt, der Copilot habe sich kurz vor dem Todesflug mit seinem Computer über «Umsetzungsmöglichkeiten einer Selbsttötung» und Sicherheitsvorkehrungen bei Cockpit-Türen informiert. Fachleute der Luftfahrtbranche wollen nach Ostern beraten, ob die Technik der Cockpit-Tür geändert werden soll.

Auch die Einführung einer Ausweispflicht an Flughäfen wird debattiert, weil die Passagierlisten derzeit nicht genau genug sind. Geprüft werden sollen auch medizinische und psychologische Checks, mit denen die Flugtauglichkeit von Piloten festgestellt wird.

Der Direktor der Leipziger Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Prof. Ulrich Hegerl, lehnte eine Ausweitung der psychiatrischen Untersuchungen für Piloten ab. «Einen Laborwert für Depression oder Suizidgefährdung gibt es leider bisher nicht», sagte er dem Magazin «Der Spiegel» (Samstag). Zwar gingen zahlreiche Suizide auf Depressionen zurück. «Völlig untypisch ist allerdings, dass ein depressiv Erkrankter eine große Zahl anderer Menschen mit in den Tod reißt.»

Der deutsche Copilot Andreas L. hatte 2009 die Verkehrsfliegerschule der Lufthansa über eine «abgeklungene schwere depressive Episode» informiert. Sein Gesundheitszustand zur Tatzeit wird noch ermittelt.

Bei der Identifizierung der Opfer werden nach Angaben der französischen Ermittlern die gefundenen DNA-Profile mit Proben von Angehörigen abgeglichen. Die Arbeit soll nach Ostern losgehen. Unter den insgesamt 150 Menschen an Bord von Flug 4U9525 war auch eine Schülergruppe aus Haltern in Nordrhein-Westfalen.