Aufschwung in Deutschland verliert an Fahrt

Europas Konjunkturmotor Deutschland läuft nicht mehr auf Hochtouren. Nach einem starken Frühjahr hat die Wirtschaft im Sommer einen Gang zurückgeschaltet.

Das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg im dritten Quartal preis-, saison- und kalenderbereinigt im Vergleich zum Vorquartal nur noch um 0,3 Prozent. Dies teilte das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden mit.

Doch das reichte, um die Wirtschaft im gesamten Euroraum vor der Stagnation zu bewahren. In den Staaten der Währungsunion stieg das BIP im dritten Quartal leicht um 0,1 Prozent gegenüber dem Vorquartal. «Die Wirtschaft der Eurozone ist aus der Rezession heraus, die Bäume werden aber keineswegs in den Himmel wachsen», sagte Allianz-Ökonomin Claudia Broyer.

Besonders Frankreich enttäuschte. Nach Ansicht von Ökonomen werden dort dringend notwendige Investitionen zurückgestellt, was die Wirtschaft bremst. Unklare politische Vorgaben verunsicherten zudem die Unternehmen. Die drittgrößte Euro-Volkswirtschaft Italien meldete ein Minus von 0,1 Prozent.

In Spanien überwand die Wirtschaft hingegen die Rezession und wuchs erstmals seit mehr als zwei Jahren wieder leicht um 0,1 Prozent. Auch die Niederlande beendeten ihre einjährige Rezession mit einem Plus von 0,1 Prozent. Gute Nachrichten kamen zudem aus Portugal, die Wirtschaft verzeichnete dort das zweite Plus in Folge und schaffte 0,2 Prozent Wachstum. «Die Eurozone taucht langsam aus der tiefen Krise auf, aber die Erholung erlaubt noch keinen Seufzer der Erleichterung», warnte Berenberg-Bank-Ökonom Christian Schulz.

Dass der deutsche Konjunkturmotor zuletzt nicht mehr so rund lief, überrascht nicht. Denn für das kräftige Plus von 0,7 Prozent im zweiten Quartal hatten auch Nachholeffekte am Bau gesorgt. «Nach dem Extraschub im Frühjahr ist das BIP-Wachstum (...) wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgekehrt», sagte KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner. «Die Erholung geht weiter, sie bleibt aber moderat - mehr kann man angesichts der weiter fragilen Lage in Europa wohl auch nicht erwarten.»

Positive Impulse kamen von Juli bis September ausschließlich aus dem Inland. Die Konsumausgaben der privaten Haushalten und des Staates waren etwas höher als im Vorquartal. Außerdem wurde erneut mehr investiert, sowohl in Ausrüstungen als auch in Bauten.

Damit zeichne sich bei den Ausrüstungsinvestitionen langsam eine Wende zum Besseren ab, sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer: «Nachdem Sorgen um den Bestand der Währungsunion die Unternehmensinvestitionen sechs Quartale in Folgen hatten fallen lassen, sind sie im zweiten und dritten Quartal wieder gestiegen.»

Dagegen bremste der Außenbeitrag (Exporte minus Importe) das Wachstum. Während die Einfuhren zulegten, zeigten die Ausfuhren im Vorquartalsvergleich wenig Dynamik. Allerdings ist der deutsche Exportüberschuss im September auf ein Rekordhoch gestiegen. Erst am Mittwoch hatte die EU-Kommission eine vertiefte Untersuchung hierzu beschlossen. Und das, obwohl die Nettoexporte schon seit dem zweiten Quartal 2012 keinen nennenswerten Wachstumsbeitrag mehr geliefert hätten, wie Schulz betonte.

Experten erwarten, dass die deutsche Konjunktur spätestens 2014 wieder stärker anziehen wird. «Das dritte Quartal ist nur ein Schlagloch auf dem Wachstumspfad», meinte Unicredit-Volkswirt Andreas Rees. Die Erholung in der Eurozone halte an, die Anzeichen für eine Wiederbelebung der Investitionstätigkeit in Deutschland häuften sich, und die Kauflust der Verbraucher nehme weiter zu.

Zudem dürfte die Konjunktur weltweit wieder Fahrt aufnehmen und damit die deutschen Exporte anschieben, sagte DIW-Deutschlandexperte Simon Junker. So ist die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt, Japan, im Sommer zum vierten Mal in Folge gewachsen. Im Vergleich zum Vorquartal legte die Wirtschaft des Landes um 0,5 Prozent zu.

Auch die expansive Geldpolitik der Notenbanken dürfte die Konjunktur antreiben. Der Präsident der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, hatte jüngst das Billiggeld-Versprechen bekräftigt, wonach die Zinsen im Euroraum für längere Zeit auf dem aktuellen Rekordtief von 0,25 Prozent oder noch darunter liegen werden.

Auf der anderen Seite des Atlantiks hat die designierte Chefin der US-Notenbank Fed, Janet Yellen, ebenfalls Signale für eine anhaltend lockere Geldpolitik gesendet. Bei einer Anhörung im Bankenausschuss des Senats in Washington sagte sie, die US-Wirtschaft müsse sich noch weiter erholen und die Konjunktur robuster werden.

Yellen räumte aber auch ein, dass die Politik der Niedrigzinsen und der Anleihenkäufe nicht ewig dauern könne. Die Ökonomin soll Anfang 2014 Ben Bernanke an der Spitze der US-Zentralbank ablösen, sie wäre die erste Frau in diesem Amt. Der Senat muss der Personalie noch zustimmen.