Aufsichtsrat fordert Ende des Machtkampfs am BER

Über die Situation am Flughafen habe man gesprochen - mehr will Wowereit nach einer Sondersitzung zum Schönefelder Dauerstreit eigentlich nicht sagen. Dann versucht er doch ein Machtwort.

Nach heftigen Querelen an der Spitze des Hauptstadtflughafens fordert der Aufsichtsrat ein Ende der Grabenkämpfe. «Wir vom Aufsichtsrat erwarten, dass eine Geschäftsführung sich professionell verhält und dass man zusammenarbeitet», sagte der Berliner Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) nach einer Sondersitzung des Kontrollgremiums in Schönefeld. «Das ist die Anforderung, und da führt auch kein Weg dran vorbei.» Der Machtkampf zwischen Flughafenchef Hartmut Mehdorn und seinem Technik-Geschäftsführer Horst Amann bleibt damit unentschieden.

Vor der Sondersitzung des Kontrollgremiums war spekuliert worden, der Aufsichtsrat könne Amann entlassen. Wowereit als amtierender Chef des Gremiums versicherte jedoch, es sei in der gut dreistündigen Sitzung keine Personalentscheidung gefallen.

Offiziell hatte sich der Aufsichtsrat außerordentlich getroffen, um Geld für den Ausbau des Datennetzes am neuen Hauptstadtflughafen freizugeben. Rund 11 Millionen Euro wurden laut Flughafen bewilligt - Mehdorn hatte seine Forderung zuvor auf 21 Millionen Euro aufgestockt. Amann und Mehdorn streiten seit Monaten über die richtige Strategie, den Flughafen nach vier geplatzten Eröffnungsterminen ans Netz zu bringen. Amann will die Bau- und Technikprobleme in dem Milliardenbau sorgfältig abarbeiten, Mehdorn möglichst schnell die ersten Flieger abheben lassen.

Das Verhältnis der beiden Manager gilt als zerrüttet. Mehdorn hatte Amann schon im Juni aufgefordert, seinen Hut zu nehmen, Mitarbeiter des Ingenieurs ersetzte er durch eigene Leute.

Mehdorn denunziere und diskriminiere ihn, schrieb Amann in der vergangenen Woche an die Vertreter der Flughafen-Eigentümer, neben Wowereit (SPD) für das Land Berlin die Staatssekretäre des Bundes und Brandenburgs, Rainer Bomba (CDU) und Rainer Bretschneider (SPD).

Amann wirft Mehdorn in dem Brief, der der Nachrichtenagentur dpa vorliegt, «hektische Beschleunigungsaktivitäten» und Verantwortungslosigkeit vor. Der im vergangenen Sommer als Hoffnungsträger zum Flughafen geholte Ingenieur forderte Rückendeckung durch den Aufsichtsrat - oder eine Abfindung.

Gestützt wird Amann vor allem vom Bund. Sollten Bomba und Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) in Folge der Bundestagswahl nicht im Amt bleiben, könnte sich eine neue Gefechtslage ergeben.

Mehdorn hatte jüngst selbst die Erwartungen gedrosselt und zugegeben, anfangs Probleme auf der Baustelle unterschätzt zu haben. Es ist unklar, wann er einen Starttermin festlegt. «Wir können uns keine weitere Blamage leisten, werden einen Eröffnungstermin erst dann nennen, wenn wir ganz sicher sind», schreibt er in der Oktober-Ausgabe des Flughafen-Blatts «BER aktuell».

Intern hatte Mehdorn laut Amann von einem Start im Juni 2015 gesprochen - dreieinhalb Jahre nach dem ersten Eröffnungsgermin im Herbst 2011. Offen ist auch, wann Mehdorn im Nordflügel des Neubaus seinen Testbetrieb mit höchstens zehn Flügen am Tag beginnen kann. Der avisierte Start im März oder April 2014 schien zuletzt fraglich.