Augsburg auf Europa-Kurs - VfB bleibt hinten drin

Mit dem ersten Sieg seit sechs Wochen hat sich der FC Augsburg für seine Schwächephase rehabilitiert und die Nöte des VfB Stuttgart weiter verschärft.

Augsburg auf Europa-Kurs - VfB bleibt hinten drin
Stefan Puchner Augsburg auf Europa-Kurs - VfB bleibt hinten drin

Trotz zwischenzeitlich großer Schwierigkeiten gegen den Abstiegskandidaten sicherte Raul Bobadilla am Samstag mit seinem Treffer zum 2:1 (1:1) in der 73. Minute noch drei Punkte für den Europa-League-Aspiranten. Die Mannschaft von Coach Markus Weinzierl sprang in der Fußball-Bundesliga zumindest vorübergehend auf Rang fünf, kann aber am Sonntag von Schalke 04 wieder verdrängt werden. Die Gelsenkirchener müssen in Wolfsburg ran.

Stuttgart verpasste den siebten Punkt innerhalb der jüngsten vier Partien und bleibt Tabellen-17. Das fünfte Saisontor von Daniel Ginczek (22.) reichte nicht zu einem wichtigen Zähler für die Mannschaft von Huub Stevens, über dessen Ablösung als Trainer am Saisonende durch Alexander Zorniger munter spekuliert wird. Stevens attestierte seinen Profis danach eine gute Leistung: «Wir haben uns nicht belohnt», stellte der Niederländer im TV-Sender Sky fest. «Wir hatten heute die Möglichkeit - nach den Ergebnissen vom Nachmittag - einen Riesenschritt zu machen. Das haben wir leider verpasst. Dieses Spiel mussten wir nicht verlieren, denn wir hatten die besseren Möglichkeiten», bilanzierte VfB-Kapitän Christian Gentner.

Tobias Werner (7.) hatte die Gastgeber früh in Führung gebracht. «Wir stehen nicht zu Unrecht da oben und werden alles dafür tun, um diesen Platz zu behaupten», sagte Werner. «Ich spreche nicht mehr von Europa, das können andere machen», meinte Trainer Markus Weinzierl.

Für die 30 660 Zuschauer diente Außenstürmer Werner vor allem in der ersten Viertelstunde als Stimmungsmacher. Nach vier Minuten schon war der 29-Jährige seinen Gegenspielern auf der linken Seite enteilt, fand mit seiner Hereingabe aber keinen Abnehmer. Kurz darauf profitierte der kahlköpfige Angreifer von einem unglücklichen Herauslaufmanöver Sven Ulreichs: Der Torwart hatte einen weiten Ball außerhalb des Strafraums mit dem Kopf geklärt - allerdings direkt vor die Füße von Alexander Esswein. Esswein sah Werner, und Werner hatte keine Mühe, den Ball ins verwaiste Gästetor zu befördern.

Die Augsburger Überlegenheit währte knapp 20 Minuten, ehe der VfB aufwachte. Immer wieder angetrieben von der nimmermüden Offensivkraft Filip Kostic gewann Stevens' Team stetig an Gefährlichkeit. Den ersten Abschluss von Kostic selbst (20.) konnte FCA-Torwart Marwin Hitz noch parieren, zwei Minuten später war er machtlos. Nach einem Foul im Mittelfeld schaltete Maxim fix um, führte den Freistoß blitzschnell aus. Kostic rannte Augsburgs Kapitän Paul Verhaegh davon, in der Mitte wartete Ginczek freistehend und traf zum 1:1.

Das Tor gab dem VfB - zuletzt bereits zu Hause zweimal erfolgreich - weiteres Selbstbewusstsein. Noch vor der Pause wäre angesichts von Großchancen durch Georg Niedermeier (30.) und erneut Ginczek (39.) sogar das zweite Tor möglich gewesen - doch in beiden Szenen war Hitz zur Stelle. Auch die Halbzeit änderte nichts an der Rollenverteilung. Stuttgart blieb am Drücker. Direkt nach Wiederanpfiff versuchten sich Christian Gentner und Kostic mit Weitschüssen, zielten aber vorbei.

Für Augsburg war Verhaeghs Verzweiflungsschuss nach 68 Minuten der erste Abschluss der gesamten zweiten Halbzeit. Erst mit dem eingewechselten Halil Altintop, der wegen Rückenproblemen zuletzt hatte passen müssen und zu Beginn nur auf der Bank gesessen hatte, trat Besserung im FCA-Spiel ein. Und prompt folgte die Belohnung. Über Markus Feulner landete der Ball bei Bobadilla - und der Stürmer bewies beim 2:1 das, was den Stuttgartern zuvor so oft gefehlt hatte: Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor.