Schalke lockt Weinzierl - Ausstiegsklausel eine «Mär»

Der grandiose Erfolg mit Europapokal-Neuling FC Augsburg hat Markus Weinzierl auch beim FC Schalke 04 zu einem heißen Trainer-Kandidaten gemacht. Die Königsblauen sollen den 40 Jahre alten FCA-Coach als Nachfolger für Roberto Di Matteo auserkoren haben.

Schalke-Manager Horst Heldt hielt sich öffentlich bedeckt. «Es ist Aufgabe der Medien, das Thema zu besetzen und ihr gutes Recht zu spekulieren», hieß es in einem Statement von Heldt auf der Homepage des Fußball-Bundesligisten. «An diesen Spekulationen werde ich mich aber weder beteiligen noch einzelne Namen kommentieren.»

Mehrere Medien hatten berichtet, dass Schalke sogar schon Gespräche mit Weinzierl geführt habe. Dieser hatte seinen Vertrag in Augsburg erst vor zwei Monaten vorzeitig bis 2019 verlängert. Bisher galt bei Schalke der belgische Nationaltrainer und ehemalige Gelsenkirchener Profi Marc Wilmots (46) als Favorit für die Nachfolger des am Saisonende zurückgetretenen Schweizers Roberto Di Matteo.

FCA-Präsident Klaus Hofmann verriet in einem Interview mit dem Radiosender «Antenne Bayern», dass Weinzierl seinen aktuellen Arbeitgeber vor ein, zwei Wochen darüber informiert habe, «dass Schalke an ihn herangetreten» sei. Das sei aber auch alles gewesen. «Markus Weinzierl informiert uns immer, wenn er von einem Verein kontaktiert wird», sagte Hofmann. Schalke war nicht der erste. «Der Markus Weinzierl ist nicht auf uns zugekommen, dass er wegmöchte», berichtete Hofmann. Auch mit Schalke stehe man nicht in Kontakt.

«Fakt ist, dass wir derzeit Gespräche mit fachlich hervorragend geeigneten Trainern führen», erklärte Heldt allgemein. «Diese Gespräche finden aber allesamt hinter geschlossenen Türen statt. Wir werden uns hierzu äußern, wenn es etwas zu verkünden gibt.»

In Augsburg ist man daran interessiert, möglichst schnell Fakten zu schaffen. FCA-Manager Stefan Reuter, der seinen Vertrag parallel zu Weinzierl bis 2020 verlängert hatte, ist seit Wochenbeginn aus dem Urlaub in der Türkei zurück und mit der Feinplanung der ersten Europa-League-Saison des FCA beschäftigt. Weinzierl spielt als Trainer dabei naturgemäß eine zentrale Rolle. «Für mich hat Priorität, dass der Markus in Augsburg bleibt», sagte Hofmann.

Auch Schalke gerät zeitlich langsam unter Handlungsdruck. Sowohl ein Engagement von Weinzierl, der Augsburg auf den fünften Platz der Bundesliga und damit in die Europa League führte, als auch eines des belgischen Nationaltrainers Wilmots würde die Königsblauen einiges Kosten. Der Belgier soll aus seinem bis 2018 laufenden Vertrag für zwei Millionen Euro vorzeitig rauskommen. Medienberichte, dass auch Weinzierl in seinem Kontrakt beim FCA eine Ausstiegsklausel habe, bezeichnete FCA-Präsident Hofmann als «Mär».

Selbstverständlich werde der FC Augsburg aber, «wenn irgendeiner mit einer astronomischen Summe kommt», über eine Freigabe für Weinzierl nachdenken, bemerkte der Präsident «Das ist ja normal.» Dies sei aber Theorie, ergänzte Hofmann. Durch einen deutlichen Anstieg der TV-Einnahmen und die erstmalige Teilnahme am Europapokal sind die Augsburger nicht gezwungen, den Trainer oder auch Spieler aus wirtschaftlichen Gründen ziehen zu lassen.

Sportlich wäre ein Wechsel zu einem Traditionsclub wie Schalke für den ehrgeizigen Ex-Profi Weinzierl durchaus reizvoll - wenn auch riskant. Seit seinem Amtsantritt in Augsburg ging es mit dem FCA nach einer schwierigen Startphase kontinuierlich sportlich bergauf. Die Vertragsverlängerung bis 2019 wurde pikanterweise vor dem Bundesliga-Heimspiel gegen Schalke Anfang April über die Videowände im Augsburger Stadion bekanntgegeben.

«Ich habe hier eine hohe Jobzufriedenheit», äußerte Weinzierl damals. Am Mittwoch war der 40-Jährige nicht zu erreichen. Sein Status beim Telekommunikations-Dienst WhatsApp lautete: «Beschäftigt».