Aus dem Alltag eines Lokaljournalisten

Vereinsversammlungen und Schützenfeste: Der Journalist Ralf Heimann aus Münster hat ein Buch über die Kuriositäten des Lokaljournalismus geschrieben - mit seinen Kollegen geht er nicht immer freundlich um.

Aus dem Alltag eines Lokaljournalisten
Rolf Vennenbernd Aus dem Alltag eines Lokaljournalisten

Idyllische Landschaften, Ruhe und eine liebevolle Dorfgemeinschaft: Das Leben auf dem Land ist für viele ein Traum. Für einen Lokalreporter wird es zur Herausforderung, wenn er auch aus kleinen Begebenheiten große Geschichten zaubern muss. Ralf Heimann, Redakteur bei der «Münsterschen Zeitung», hat jetzt einen halbfiktiven Roman über seine Erlebnisse als Journalist in der Provinz veröffentlicht.

Sein Debüt «Die tote Kuh kommt morgen rein», erschienen im Fischer-Scherz-Verlag, ist unterhaltend - selbst für Leser, die keine Journalisten sind. Und hinter jedem Kapitel steckt eine wahre Begebenheit, die sich so oder ähnlich abgespielt hat. «Das Buch soll keine Abrechnung sein. Es soll unterhalten. Und da eignen sich Kuriositäten aus der Zeitungsredaktion sehr gut», sagt der 36-Jährige. In jedem Berufsfeld gebe es solch lustigen Begebenheiten.

Die «Münstersche Zeitung» gibt es in Heimanns Buch nicht. Sein fiktiver Arbeitgeber heißt «Borkendorfer Bote». Es ist zehn Uhr, Zeit für die morgendliche Redaktionssitzung, bei der ihm erst einmal gezeigt wird, wie sich aus Fehlern Profit schlagen lässt. Der Chefredakteur erklärt: «Wir haben letztes Jahr über die letzte Pissrinne im Münsterland berichtet. Und am nächsten Morgen liefen im Minutentakt Kneipenwirte an, die sauer waren, weil es in ihrer Kneipe auch noch eine gab.» Ein Kollege fügt hinzu: «Und dann haben wir eine Serie gemacht, die super ankam: die zwanzig schönsten Pissrinnen der Region.»

Die Belanglosigkeit von manch einem lokalen Ereignis wandelt Heimann in humorvolle Beobachtungen um – immer mit einem Augenzwinkern. Er schreibt überspitzt, nicht aber überheblich. In seinem Buch kritisiert er den Dorfklüngel und skizziert skurrile Kollegen: Da wäre der freie Mitarbeiter Hermann Noltenhans. Zu viel von seinen Texten vertrage auf Dauer keine Zeitung. Zu seinen Lieblingsfloskeln zählen Sätze wie: «Am Ende wurde das Tanzbein geschwungen», «Der Saal platzt aus allen Nähten» oder «Für das leibliche Wohl ist gesorgt.»

Außerdem gibt es in dem Roman den übereifrigen Volontär Christoph Röhrbein mit «roten Igelhaaren und einem Gesicht wie ein Pfannkuchen». Seinen Lebenslauf könne man googeln, er sei bei Twitter, Facebook und noch ein paar anderen Netzwerken zu finden und habe einen eigenen Blog. Die alt eingesessenen Kollegen tun sich mit den neuen Medien hingegen noch schwer. So twittert der Kollege Pohlmann unter dem Namen @reporterpo bedeutende Nachrichten wie: «Exklusiv: Zaun von St. Joseph wurde neu gestrichen.»

Ein Tweet von Heimann selbst führte dazu, dass er zum Buchautoren wurde. Er twitterte 2010 eine Geschichte der «Münsterschen Zeitung»: «In Neuenkirchen ist ein Blumenkübel umgekippt.» Damit landete er bei den Twitter-Trends sogar auf den oberen Plätzen. Die Nachricht verbreitete sich weltweit. Nun ist Heimann bei Google einfach als Lokaljournalist aufzufinden. Ein Buchagent sei so auf ihn aufmerksam geworden.

Auf eine Karriere bei einem größeren Medium kann der Münsterländer verzichten, auch wenn in seinem Buch ein wenig Frust herauszulesen ist. «Im Lokalen findet man tolle Geschichten. Man muss nur suchen und hinsehen.» - davon scheint er überzeugt.

Trotz der humorvollen Betrachtung ist sich Heimann auch der Umbrüche im Lokaljournalismus bewusst. «Die Verbreitungswege haben sich geändert, aber Leser werden sich weiterhin für die Nachrichten aus ihrer Umgebung interessieren. Und in kleineren Städten wollen sie auch weiter die Menschen in der Zeitung sehen, die sie kennen», glaubt Heimann.

Aber wie könnte eine Zeitung der Zukunft aussehen? «Wäre super, wenn ich jetzt darauf eine Antwort hätte. Dann hätte ich aber wahrscheinlich keine Zeit gehabt, das Buch zu schreiben.»