Ausnahmezustand in Oberursel

Es ist gespenstisch ruhig in dem Taunusstädtchen Oberursel. Nur ein paar kleinere Radgruppen sind Richtung Feldberg unterwegs.

Ausnahmezustand in Oberursel
Boris Roessler Ausnahmezustand in Oberursel

Dabei hätte an diesem 1. Mai eigentlich der Radklassiker «Rund um den Finanzplatz Eschborn-Frankfurt» auch Oberursel beleben sollen: Tausende Zuschauer, Volksfeststimmung. Doch daraus wurde nichts. Die Behörden sagten das Rennen aus Sorge vor einem islamistischen Terroranschlag ab.

Rückblick: Am Donnerstagnachmittag stehen Polizeiautos rund um ein gelb gestrichenes Mehrfamilienhaus direkt an der stark befahrenen Hohemarkstraße in Oberursel. Ansonsten erinnert auf den ersten Blick kaum mehr etwas daran, dass hier in der Nacht zum Donnerstag bei einer Durchsuchungsaktion in einer Wohnung eine funktionstüchtige, selbst gebaute Bombe gefunden wurde. Und dass nach Einschätzung der Polizei ein islamistischer Terroranschlag vereitelt wurde.

Bei dem Großeinsatz nahm die Polizei ein türkischstämmiges Ehepaar mit vermutlich salafistischem Hintergrund fest. In dessen Wohnung fanden die Beamten neben der Bombe Gewehrteile und scharfe Munition. Der 35-jährige Festgenommene hatte vor Jahren Kontakt mit der islamistischen Sauerland-Gruppe. Er soll auch Verbindungen zur Extremisten-Szene im Rhein-Main-Gebiet haben. Wie intensiv die Kontakte sind, wissen die Ermittler vorerst aber nicht.

Auch ob das Duo Komplizen hatte, ist am Freitag noch nicht bekannt. Die Ermittler gehen aber davon aus. Auch Islam-Expertin Susanne Schröter betont: «Jeder kann eine Bombe bauen, aber in der Regel ist es schon so, dass salafistische Täter ein Umfeld haben.» In diesem Umfeld radikalisierten sie sich.

In Oberursel erzählt ein Anwohner: «Hier war alles zu mit Polizeiautos, und es waren jede Menge Leute da.» Er sei mitten in der Nacht von dem Trubel auf der Straße aufgewacht. Am Donnerstagvormittag habe er dann in den Nachrichten von der Festnahme gehört.

Nach der Beschreibung der Nachbarn in dem Wohnblock eines ehemaligen US-Stützpunkts trug der Mann einen Bart, die Frau war stets verschleiert und trug Handschuhe, auch, wenn sie mit ihren zwei kleinen Kindern auf dem nahen Spielplatz gewesen sei. Näheren Kontakt hatte aber keiner zu der Familie.

Die Gerüchteküche vor Ort läuft heiß. Direkt vor dem Haus verläuft die Strecke des eigentlich für diesen 1. Mai geplanten internationalen Radrennens. «Und hier sind immer jede Menge Zuschauer», sagt eine Frau. 

In den Räumen des Paares im ersten Stock des Hauses läuft derweil die Spurensicherung. Ab und zu ist ein Mann mit weißem Schutzanzug und Mundschutz am Fenster zu sehen. Hinter dem Haus graben mehrere uniformierte Polizisten ein kleines Rasenstück um. Nach was sie suchen, dazu gibt es keinen Kommentar.

Etwa drei Kilometer entfernt hat die Polizei die Straße zum Feldberg gesperrt. Beamte durchsuchen ein Waldstück, an einem Pfosten an der Straße hängt ein kleines Hinweisschild «Radrennen 1. Mai» - denn auch hier läuft die Strecke des Radsport-Klassikers entlang. Der 35 Jahre alte Festgenommene hatte sich in den vergangenen Tagen nach Ermittlungen der Polizei an der Rennstrecke aufgehalten und sich damit verdächtig gemacht. Ob es tatsächlich gezielte Anschlagspläne gegen das Rennen gab, war auch am Freitag unklar.