Außenminister Steinmeier regt Luftbrücke für Aleppo an

Angesichts der dramatischen humanitären Lage im syrischen Aleppo hat Außenminister Frank-Walter Steinmeier die Errichtung einer Luftbrücke angeregt.

Außenminister Steinmeier regt Luftbrücke für Aleppo an
Alexandra Wey Außenminister Steinmeier regt Luftbrücke für Aleppo an

Die Syrien-Kontaktgruppe habe sich bereits darauf geeinigt, «dass bei der systematischen Verweigerung von humanitärer Hilfe eine Versorgung aus der Luft in Erwägung gezogen werden kann», sagte Steinmeier der Zeitung «Welt am Sonntag». «Wenn beide Teile Aleppos weiter nicht hinreichend humanitär versorgt werden können, sollten wir auch die Möglichkeit von Hilfe aus der Luft prüfen, vor allem bei medizinischen Gütern.»

Bereits in der ost-syrischen Stadt Dair as-Saur seien die Menschen über Luftbrücken versorgt worden, betonte Steinmeier. Die Menschen in
Aleppo litten nicht nur unter den täglichen Luftangriffen, auch die Versorgung mit Lebensmitteln, Trinkwasser und Medikamenten werde von Tag zu Tag katastrophaler.

Die frühere Metropole Aleppo im Norden Syriens ist heftig umkämpft. Der Westen der Stadt wird von den Regimetruppen des syrischen Machthabers Baschar al-Assad gehalten, der Osten von Aufständischen. Rebellengruppen unter Führung von Islamisten hatten erst vergangene Woche die mehrwöchige Belagerung des Ostteils gebrochen, konnten bislang aber keine sichere Passage in die Rebellengebiete errichten.

Der außenpolitische Sprecher der Grünen, Omid Nouripour, forderte, dass Steinmeier den Vereinten Nationen dafür nun auch deutsche Unterstützung anbieten müsse, gegebenenfalls auch durch die Bundeswehr. Die humanitären Korridore hätten sich nur als weitere Schlinge für die Zivilbevölkerung erwiesen, sagte Nouripour. «Es ist der syrischen Bevölkerung nicht zu erklären, warum Flieger Bomben, aber keine Nahrungspakete abwerfen können.»

Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) zeigte sich angesichts der Lage in Aleppo «fassungslos». Wer die grauenhafte Lage der Zivilisten der Menschen dort ignoriere, begehe ein Verbrechen, sagte Müller dem Magazin «Focus». Er forderte ein EU-Notprogramm für das Bürgerkriegsland mit einem Flüchtlingsfonds, einem EU-Sonderbeauftragten und einem EU-Flüchtlingswerk. «Es ist beschämend, dass wir das nicht hin bekommen. Brüssel muss endlich handeln.»

Müller regte ein Notprogramm im Umfang von zehn Milliarden Euro an, damit sich die Lage der Flüchtlinge in und um Syrien nicht weiter verschlechtert. Besonders der Libanon, der Nordirak und Jordanien seien dringend auf Hilfe angewiesen, «sonst droht der Zusammenbruch mit unabsehbaren Folgen auch für uns».