Ausstellung in Hamburg: Multimedia-Künstler Rodtschenko

Alexander Rodtschenko (1891-1956) gehörte zu den treibenden Kräften der russischen Avantgarde. In seinen Werken brachte er die dynamische Veränderung der Gesellschaft in den ersten Jahren nach der Oktoberrevolution ins Bild.

Ausstellung in Hamburg: Multimedia-Künstler Rodtschenko
Christian Charisius

Das Bucerius Kunstforum in Hamburg stellt nun in einer umfangreichen Retrospektive vom 8. Juni bis zum 15. September nicht den politischen Auftrag ins Zentrum, sondern legt die künstlerische Haltung Rodtschenkos frei.

Er war einer der ersten Künstler, der sich in Gemälden, Collagen, Fotomontagen, Fotografien, Skulpturen, Werbedesign und Typographie ausdrückte. «Rodtschenko ging es um nichts Geringeres, als die Welt mit der Kunst zu erklären», sagte Direktorin und Kuratorin Ortrud Westheider in Hamburg.

Im Zentrum steht das malerische Werk, das seinen Höhepunkt in dem 1921 geschaffenen Triptychon findet. Es besteht aus drei monochromen Leinwänden in den Farben Rot, Gelb und Blau. «Ich habe die Malerei zu ihrem logischen Ende gebracht und drei Bilder ausgestellt: ein rotes, ein blaues und ein gelbes, und dies mit der Feststellung: alles ist zu Ende», sagte der Künstler einmal dazu.

Kuratorin Westheider sagte: «Die kunstgeschichtliche Bedeutung von Rodtschenkos Schaffen liegt darin, dass hier Entwicklungen vorweggenommen wurden, die in Europa und Amerika erst vom künstlerischen Neuanfang der 1960er Jahre eingeholt wurden: in monochromer Malerei, Minimalismus, Konzeptkunst und Medienvielfalt.»

Der Bruch mit dem Zarenreich und seiner Kunst setzte alles auf Anfang: Die neue Kunst war visionär und sollte den Menschen wie eine Naturwissenschaft dienen. Voller Neugier untersuchte Rodtschenko die eigenen Mittel und fügte der Malerei neue Medien hinzu: Skulpturen, die wie Architektur- oder Planetenmodelle aussahen, Design für Alltagsgegenstände, Werbegraphik und eine neue Art zu fotografieren.

Stolz präsentierte Enkel Alexander Lawrentjew eine Leica seines Großvaters, mit der dieser seine ersten Aufnahmen gemacht hat. «Diese Ausstellung ist einzigartig, weil sie selber ein Kunstwerk ist», meinte er, der zahlreiche Leihgaben zur Verfügung gestellt hat.

«Er ist ein Künstler für die Künstler», habe Rodtschenkos Mutter über ihren Sohn gesagt. «Sie meinte damit, dass er in jedem künstlerische Fähigkeiten hervorrufen kann», sagte der Enkel.