Autozulieferer Leoni ist Opfer des eigenen Erfolgs

Normalerweise sind viele Aufträge für ein Unternehmen eine gute Nachricht - den Autozulieferer Leoni kosten zusätzliche Bestellungen dagegen viel Geld.

Autozulieferer Leoni ist Opfer des eigenen Erfolgs
Daniel Karmann Autozulieferer Leoni ist Opfer des eigenen Erfolgs

Ein Werk in Rumänien hat mehr Aufträge angenommen als es unter normalen Umständen abarbeiten kann. Deshalb sind einige Projekte «dieses Jahr aus dem Ruder gelaufen», wie Konzernchef Dieter Belle einräumte.

Einen Tag zuvor hatte bereits der Chef der betroffenen Bordnetz-Sparte seinen Hut genommen. Hohe Kosten für zusätzliches Personal reißen ein Loch in die bisherige Finanzplanung des Kabel-Spezialisten.

«Vom Grundsatz sind wir eigentlich froh, wenn die Dinge stärker nachgefragt werden», stellte Belle klar. Es habe aber Fehler im Projektmanagement gegeben. An dem Standort in Rumänien habe Leoni «die Projektvielfalt nicht im Griff gehabt». Das habe dazu geführt, dass von vielen Seiten innerhalb des Konzerns Aufträge an das rumänische Werk gegeben wurden. «Da fehlten die Steuerungsmechanismen, um zu sagen: 'Halt, stopp, es geht nicht weiter'», sagte Belle. Stattdessen müssten jetzt vor allem Mitarbeiter aus Serbien in dem rumänischen Werk aushelfen.

Bei den problematischen Aufträgen handelt es sich um sogenannte Bordnetz-Systeme. Pro Auto sind bis zu drei Kilometer Kabel notwendig, um elektronische Bauteile miteinander zu verbinden. Die Kosten für ein solches Bordnetz lägen im Schnitt bei 250 bis 300 Euro, sagte Belle. Leoni fertigt diese Netze im Auftrag von Fahrzeugherstellern wie BMW, Daimler und Porsche.

Wegen der hohen Kosten sackte das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) im dritten Quartal um 14,1 Prozent im Jahresvergleich auf 29,8 Millionen Euro ab. Unterm Strich sank der Gewinn um 2,9 Prozent auf 15,6 Millionen Euro. Der Umsatz legte dagegen um 9,7 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro zu. Nach heftigen Verlusten am Vortag gab die Aktie am Dienstag erneut um 2,8 Prozent nach.

Leoni ist nicht das einzige Unternehmen der Zulieferbranche, das mit zu vielen Bestellungen kämpft. Auch ElringKlinger kam bei den Aufträgen kaum noch hinterher und musste viel Geld für Überstunden und Sonderfrachten ausgeben.