Axtangriff im Zug: IS-Fahne gefunden

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat nach Angaben aus ihr nahestehenden Kreisen die Verantwortung für die Axt-Attacke in einem Regionalzug bei Würzburg übernommen.

Axtangriff im Zug: IS-Fahne gefunden
Karl-Josef Hildenbrand Axtangriff im Zug: IS-Fahne gefunden

Bei dem Angreifer handele es sich um einen IS-Kämpfer, berichtete die IS-nahe Nachrichtenagentur Amak im Internet. Die Echtheit der Erklärung ließ sich zunächst nicht unabhängig überprüfen. Ermittler hatten zuvor Hinweise auf einen möglichen radikal-islamischen Hintergrund des erschossenen Täters entdeckt.

«Bei der Durchsuchung seines Zimmers ist auch eine handgemalte IS-Flagge gefunden worden», sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) im ZDF-«Morgenmagazin». In der Nacht hatte Herrmann mitgeteilt, dass der 17-jährige Flüchtling laut einer Zeugenaussage einen «islamischen Ausruf» gemacht haben soll bevor die Polizei ihn erschoss. Dies sei aber noch nicht erwiesen.

Ähnlich wie im Würzburger Fall hatte der IS zuvor die Verantwortung für das Attentat von Nizza übernommen. Eine Erklärung von der Terrormiliz selbst wurde bislang nicht veröffentlicht. Unklar ist in beiden Fällen, ob der IS dabei nur als Trittbrettfahrer auftritt.

Der 17-jährige Angreifer war am Montagabend mit einer Axt und einem Messer auf Fahrgäste in einem Regionalzug bei Würzburg-Heidingsfeld losgegangen. Vier Menschen wurden schwer und einer leicht verletzt. Mindestens drei Menschen schwebten am Morgen laut Würzburger Uniklinik noch in Lebensgefahr. Bei der Flucht aus dem Zug habe der Angreifer noch eine weitere Person verletzt.

Vier Verletzte im Zug gehörten zu einer Urlauberfamilie aus Hongkong. Der Vater (62) und die Mutter (58) einer Tochter (26) sowie deren Freund (30) wurden verletzt, wie die Deutsche Presse-Agentur in Hongkong erfuhr. Ein fünfter Mitreisender, der 17-jährige Sohn, sei unverletzt davon gekommen, berichtete eine amtliche Quelle, die nicht genannt werden wollte. 14 Menschen erlitten einen Schock.

Die Polizei erschoss den Angreifer. Der bayerische Staatssekretär Gerhard Eck (CSU) sagte der ARD, den Beamten sei «keine andere Wahl geblieben», als sich zu wehren. Das bayerische Landeskriminalamt (LKA) hat dazu auch interne Ermittlungen aufgenommen. Dies sei ein üblicher Vorgang beim Schusswaffengebrauch von Beamten, sagte ein Sprecher in München. Die Ermittlungen sollen nun klären, wie der Einsatz ablief und ob die Abgabe der tödlichen Schüsse gerechtfertigt war. Die Grünen-Politikerin Renate Künast hatte das Vorgehen der Beamten bereits kurz nach der Attacke in Frage gestellt.

Der Staatsschutz konzentriert sich darauf, das Motiv des Täters aufzuklären. Den Ermittlungen zufolge war der Jugendliche vor etwa zwei Jahren als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling nach Deutschland gekommen. Seit vergangenem Jahr war er als Asylbewerber registriert. Seit März war er in einem Heim im Landkreis Würzburg untergebracht, die letzten zwei Wochen in einer Pflegefamilie.

Der Flüchtlings-Helferkreis in Ochsenfurt zeigte sich tief betroffen. Unter den mehr als 250 dort betreuten Flüchtlingen seien rund 60 unbegleitete Minderjährige. «Es gab bei uns noch niemals in irgendeiner Form einen Vorfall. Es ist ein sehr friedlicher und guter Umgang miteinander, deshalb sind wir alle entsetzt und traurig», sagte eine Sprecherin des Helferkreises über die Attacke.

Nach Angaben der Bundespolizei hatten etwa 25 bis 30 Menschen in dem Regionalzug von Treuchtlingen nach Würzburg gesessen. Die Bahn war kurz vor dem Ziel, als der Angreifer losschlug. Als der Zug per Notbremse stoppte, sprang er aus dem Zug und flüchtete.

Ein Spezialeinsatzkommando der Polizei, das zufällig wegen eines anderen Einsatzes in der Nähe gewesen war, nahm die Verfolgung auf. Als der Jugendliche auch auf die Einsatzkräfte losgegangen sei, hätten diese das Feuer eröffnet, sagte Herrmann in der Nacht. Man wisse nicht, welche Pläne der Täter auf seiner Flucht noch verfolgt habe. Es sei nicht ausgeschlossen gewesen, dass er noch weitere Menschen attackiert hätte. Deshalb sei es «gut und richtig», dass die Polizei mit ihrem Vorgehen «weitere schreckliche Taten» ausgeschlossen habe, sagte Herrmann.