Baby in Flughafen-WC stranguliert

Nach der Geburt eines Mädchens auf einer Toilette des Münchner Flughafens soll die Mutter versucht haben, ihr Baby zu töten: Wegen versuchten Totschlags an ihrem Neugeborenen steht eine 24-Jährige aus Heidenheim in Baden-Württemberg seit Dienstag vor dem Landgericht Landshut.

Baby in Flughafen-WC stranguliert
Armin Weigel Baby in Flughafen-WC stranguliert

Zum Prozessauftakt machte die Angeklagte keine Angaben. Laut Anklage hat die Frau im vergangenen Sommer nach der Geburt auf dem Airport-WC das lebensfähige Mädchens mit der Nabelschnur stranguliert. Dann soll sie das Baby in das Toilettenbecken gestopft, die Spülung betätigt und selbst das WC verlassen haben. Das Baby konnte gerettet werden.

Zu Beginn des Verfahrens wurde bekannt, dass das Anwesen der Eltern der Angeklagten in Heidenheim vergangene Woche durchsucht worden war. «Es gibt Anhaltspunkte für zwei weitere Schwangerschaften in der Vergangenheit», sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Ellwangen (Baden-Württemberg) am Dienstag. «Wir wissen nicht, wie die Schwangerschaften verlaufen sind und ob sie zu Geburten geführt haben.» Das müsse nun geklärt werden.

Es gebe aber keine Hinweise auf Entbindungen in Krankenhäusern, sagte der Sprecher. Gegen die Eltern und die 24-Jährige wird in weiteren Fällen wegen versuchten Totschlags ermittelt. Zu möglichen Ermittlungsergebnissen machte der Sprecher der Ellwanger Staatsanwaltschaft keine Angaben.

In dem jetzigen Verfahren verweigerten die Eltern am Dienstag vor dem Gericht in Landshut die Aussage. Ein Ermittler schilderte jedoch, dass mehrere Zeugen Schwangerschaften in den Jahren 2012 und 2014 geschildert hatten.

Die Angeklagte war Ende Juli von einem dreimonatigen Aufenthalt als Au-Pair aus Dubai zurückgekehrt. Ihre Mutter holte sie damals am Flughafen München ab. Eine Flughafenmitarbeiterin schilderte als Zeugin, sie habe die Mutter am Tattag vor der Toilette warten sehen.

Gut eine halbe Stunde nach der Entbindung entdeckte eine Frau das leblose Baby und alarmierte die Einsatzkräfte. In einer Münchner Kinderklinik konnte das Neugeborene, das mit einer Körpertemperatur von 26 Grad eingeliefert wurde, gerettet werden. «Das Mädchen lebt bei Pflegeeltern», sagte Rechtsanwalt Markus Fischer, der als Nebenkläger das Kind vertritt. Bleibende Schäden könnten zum jetzigen Zeitpunkt nicht ausgeschlossen werden.