Babyleichen-Prozess von Wallenfels vor dem Urteil

Im Verfahren gegen die Eltern der acht toten Babys von Wallenfels hat der Richter für heute das Urteil angekündigt. Es geht vor allem um die Frage, wie viele Neugeborene die 45-jährige Mutter tötete - und ob das Gericht sie für eine Mörderin hält.

Babyleichen-Prozess von Wallenfels vor dem Urteil
Nicolas Armer Babyleichen-Prozess von Wallenfels vor dem Urteil

Der Verteidiger der Frau hatte auf eine konkrete Strafforderung verzichtet, der Verteidiger ihres Noch-Ehemanns plädierte auf Freispruch. Der Staatsanwalt hingegen hatte für die Mutter eine lebenslange Haftstrafe wegen Mordes in vier Fällen gefordert. Außerdem beantragte er, eine besondere Schwere der Schuld festzustellen. Dem 55-jährigen Vater warf er Beihilfe zum Mord vor.

Im Prozess, der über nur vier Verhandlungstage lief, hatte ein psychiatrischer Gutachter die 45-Jährige für voll schuldfähig erklärt. Sie sei weder schwer psychisch krank noch alkoholabhängig. In diesem Fall müsste die Frau voraussichtlich mindestens etwa 20 Jahre im Gefängnis bleiben.

Die acht Babyleichen waren im vergangenen November im oberfränkischen Wallenfels gefunden worden. Bei vier der Babys war laut Staatsanwaltschaft nicht festzustellen, ob sie gelebt hatten oder lebensfähig gewesen wären.

Die Mutter hatte zum Prozessauftakt über ihren Anwalt eingeräumt, mehrere ihrer acht Neugeborenen getötet zu haben - jene, die gelebt hätten. Allerdings könne sie sich nicht genau erinnern, wie viele das waren. Ihr Noch-Ehemann hatte sich zu den konkreten Vorwürfen gegen ihn nicht geäußert, hatte aber der Polizei gegenüber behauptet, nichts von den acht Schwangerschaften seiner Frau oder den Babyleichen gewusst zu haben. Sie hingegen hatte erklärt, ihrem Mann mehrfach von Schwangerschaften und einmal auch von einem toten Baby im Haus erzählt zu haben (Aktenzeichen 105 Js 9472/15).