Irak startet Offensive auf vom IS kontrolliertes Ramadi

Knapp zehn Tage nach dem überhasteten Rückzug aus Ramadi vor der anrückenden Terrormiliz Islamischer Staat (IS) ist die irakische Armee zur Offensive zur Rückeroberung der Provinzhauptstadt angetreten.

Einheiten des irakischen Militärs hätten Ramadi bereits von drei Seiten umstellt, erklärte ein Sprecher des Polizeikommandos von Anbar. Über konkrete Kampfhandlungen oder Truppenvorstöße lagen zunächst keine Berichte vor.

«Die Operation zur Befreiung Anbars von den IS-Banden beginnt», schrieb Verteidigungsminister Chalid al-Obeidi auf seiner Facebook-Seite über den Einsatz der «Legionen der Streitkräfte» seines Landes. Schiitische Freiwillige, die in den sogenannten Haschd-Milizen organisiert sind, und sunnitische Stammeskämpfer würden die Regierungstruppen und Polizeiverbände verstärken.

Die Mobilisierung neuer Kräfte für die Gegenoffensive erfolgte knapp eine Woche nach dem Fall Ramadis. Kampfkraft und Zustand der irakischen Streitkräfte waren zuletzt Gegenstand heftiger Diskussionen. US-Verteidigungsminister Ashton Carter hatte dem irakischen Militär mangelnden Kampfeswillen bescheinigt.

In einer ersten Reaktion auf die Offensive zur Rückeroberung von Ramadi äußerte sich das weiße Haus zufrieden mit dem «klar erkennbaren Willen der irakischen Sicherheitskräfte zum Kampf», wie Sprecher Josh Earnest sagte.

US-Präsident Barack Obama betonte die Notwendigkeit einer stärkeren internationalen Zusammenarbeit im Kampf gegen den IS. Bei einem Gespräch mit Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg betonte er dabei Kooperation mit der Nato, nannte aber auch ausdrücklich die Golfstaaten sowie die Afrikanische Union. Es komme darauf an, die Kräfte im Kampf gegen die Terrormiliz richtig aufzustellen, sagte Obama. Er ging aber nicht auf immer lauter werdende Forderungen der Republikaner ein, wonach Washington rund 10 000 Soldaten zum Kampf gegen die IS in den Irak schicken soll.

Deutschland und der Irak wollen jetzt per UN-Resolution gegen die Zerstörung von Kulturgütern durch den IS vorgehen. Am Donnerstag soll in der Vollversammlung der Vereinten Nationen eine Resolution verabschiedet werden, die «die barbarischen Akte der Zerstörung und Plünderung» des kulturellen Erbes eines Landes verurteilt. Ausdrücklich ist der Islamische Staat als Täter benannt. Weiter werden alle Staaten aufgefordert, gegen den Schmuggel von Kunst vorzugehen, um dem IS eine Finanzierungsmöglichkeit zu nehmen. Eine Mehrheit gilt als sicher, auch, weil sich schon etwa 80 Staaten dem Entwurf, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, angeschlossen haben.