Bahn-Führung unter Druck

Der Rückhalt im Deutsche-Bahn-Konzern für Vorstandschef Rüdiger Grube und dessen Vize Volker Kefer droht zu bröckeln.

Bahn-Führung unter Druck
Rainer Jensen Bahn-Führung unter Druck

Wie «Welt», «Welt am Sonntag» und «Spiegel» unter Berufung auf Aufsichtsratskreise melden, sollen beide Spitzenmanager vor dem nächsten Treffen der Kontrolleure am Mittwoch (15. Juni) stark in der Kritik stehen. Sie würden für Probleme beim Sanierungsprogramm «Zukunft Bahn» und beim umstrittenen Großprojekt Stuttgart 21 verantwortlich gemacht. Aufsichtsrats-Vizechef Alexander Kirchner sagte der Deutschen Presse-Agentur, man verlange eine Klarstellung.

Die Lage sei insgesamt «beunruhigend», hieß es in der «Welt». Die Kritik an Kefer fällt vor allem mit den neuen Problemen in Stuttgart zusammen. Ende vergangener Woche war bekanntgeworden, dass die angepeilte Inbetriebnahme des milliardenteuren Tiefbahnhofs Ende 2021 wackelt und der finanzielle Puffer im Kostenplan schrumpft.

Bei dem Projekt sind laut Bahn-Gutachten seit 2012 durch externe Faktoren Kostenrisiken von 623 Millionen Euro hinzugekommen. Die Bahn äußerte sich mit Verweis auf das anstehende Treffen der Aufseher Mitte der Woche nicht dazu. Dann soll über das Papier beraten werden.

Kirchner, der auch Vorsitzender der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) ist, forderte eine lückenlose Aufklärung darüber, wie es zu der Kostensteigerung kommen konnte. Insbesondere wolle er aber erfahren, wer im Vorstand der DB AG wann was wusste. «Es kann nicht sein, dass uns noch vor drei Monaten gesagt wird, es sei alles in Ordnung - und dann erweist sich das als falsch», sagte der Gewerkschafter am Sonntag auf Anfrage der dpa.

Die Projektpartner der Bahn in Stuttgart fühlen sich unterdessen «getäuscht», wie Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) der «Stuttgart Zeitung» sagte. Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) meinte: «Wir waren noch nie so ganz zufrieden mit der Informationspolitik.»

«Wenn wir frei über Grube abstimmen dürften, wäre er seinen Job wohl los», zitierte der «Spiegel» ein Aufsichtsratsmitglied. Ein Sprecher des Unternehmens wollte dies am Samstag auf dpa-Anfrage nicht näher kommentieren: «Wir beteiligen uns nicht an Personalspekulationen und springen nicht über jedes Stöckchen, was man uns hinhält.»

Zu Kefers Aufgaben im Konzern gehört außerdem das Sanierungsprogramm «Zukunft Bahn». Es soll den Zugverkehr pünktlicher und attraktiver gestalten. Mindestens 80 Prozent der Züge sollen demnach in diesem Jahr nicht mehr als fünf Minuten zu spät fahren. Laut «Welt» hat Kefer intern diesem Ziel bereits abgeschworen. Ein Sprecher des Konzerns bekräftigte hingegen: «Wir konzentrieren uns auf das Programm «Zukunft Bahn» und stecken da alle Kraft hinein. Das gilt auch und insbesondere für unsere Pünktlichkeits-Ziele.»