Bahn hofft noch auf Verhandlungslösung mit Lokführern

Ein neuerlicher Streik der Lokführer bei der Deutschen Bahn steht noch nicht endgültig fest. Das Unternehmen versuchte am Donnerstag, die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) von ihrem Vorhaben abzubringen.

«Ja, wir reden miteinander, wir sind in Kontakt», sagte Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber in Frankfurt. «Und wir werden uns bemühen, den Gesprächsfaden nicht abreißen zu lassen, bevor wir ein Ergebnis haben», ergänzte er. Zu den Details der Gespräche sagte Weber nichts.

Die GDL-Spitzengremien hatten am Mittwoch die Fortsetzung des Arbeitskampfes beschlossen, nachdem es seit November keinen Ausstand mehr gab. Die Gewerkschaft hat bisher noch kein Datum für den Streik genannt.

Weber zeigte sich verhalten optimistisch: «Ich bleibe bei meiner Einschätzung: Wir sind nah an einer Verständigung. Das müsste uns gelingen, wenn wir uns beide anstrengen.» Er wiederholte, dass es aus seiner Sicht für die GDL keinen Anlass gebe, «die Republik lahmzulegen».

Die Lokführer der GDL hatten im Herbst sechsmal gestreikt und dabei die Dauer des Ausstands stets verlängert. Der Zugverkehr wurde bundesweit stark eingeschränkt. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) warnte vor großen Schäden für die deutsche Wirtschaft durch erneute Bahnstreiks.

Vor einer Woche erklärte die GDL die Tarifverhandlungen nun abermals für gescheitert. Zur Begründung hieß es, die Bahn sei von der Zusage aus dem Dezember wieder abgerückt, dass die GDL eigenständig und unabhängig von der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) verhandeln dürfe. Weil die Bahn es ablehnte, ein Neun-Punkte-Papier mit den GDL-Positionen zu unterzeichnen, fasste die GDL den Streikbeschluss. Die Bahn will anders als die GDL unterschiedliche Tarifregeln für ein und dieselbe Berufsgruppe vermeiden.

GDL-Chef Claus Weselsky ließ den Zeitpunkt und die Dauer des Streiks offen. Die Lokführergewerkschaft werde «rechtzeitig» informieren, sagte er am Donnerstag im ZDF. ««Rechtzeitig» ist davon abhängig, wann man mit einem Streik beginnt und wie lange der Streik ist, damit sich die Menschen darauf einstellen können», sagte Weselsky. Im Sender n-tv fügte er hinzu: «Was wir können, ist das eine, was wir tun werden, ist das andere.»

DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben warnte: «Ein längerer Bahnstreik kann sich als Bremse für die Konjunktur erweisen», sagte er der «Bild»-Zeitung (Donnerstag). Täglich würden eine Million Tonnen Güter per Bahn transportiert, mehr als sechs Millionen Berufspendler seien auf die Bahn angewiesen. «Transportausfälle, Lieferengpässe und Arbeitszeitverlust zusammengenommen steht nach mehreren Streiktagen schnell eine halbe Milliarde Euro auf der Schadensrechnung für die deutsche Wirtschaft», rechnete Wansleben vor.

Der Sprecher des Fahrgastverbands Pro Bahn, Gerd Aschoff, sagte im Deutschlandfunk zur Streikankündigung: «Wir halten das nicht für angemessen.» Zwar sei Unzufriedenheit bei vielen Beschäftigten bei der Bahn mit angehäuften Überstunden, überfälligem Freizeitausgleich und nicht abgegoltenen Urlaubszeiten festzustellen, «aber wenn dann immer gleich gestreikt wird, ist es schwierig, zu einer Problemlösung zu kommen».