Bahn in Tarifstreit mit Lokführern zu Schlichtung bereit

Um den drohenden Lokführerstreik abzuwenden, hat sich die Deutsche Bahn zu einer Schlichtung bereit erklärt.

Das Unternehmen sei offen für einen entsprechenden Vorschlag des Deutschen Beamtenbundes, eine Einigung in einer Schlichtung oder Moderation zu finden, sagte Personalvorstand Ulrich Weber am Samstag der Deutschen Presse-Agentur. Die Bahn wolle Ergebnisse in dem Tarifstreit und Streiks abwenden. Die GDL ist Mitglied im Beamtenbund.

Kunden und Mitarbeiter bräuchten Planungssicherheit. «Hauptsache, wir verhindern tagelange Arbeitskämpfe», sagte Weber. Im November hatte die Bahn vergeblich versucht, die Arbeitnehmerseite zu einer Schlichtung zu bewegen.

Die GDL wollte den Vorschlag am Samstag nicht kommentieren. Ein Sprecher der Gewerkschaft sagte auf dpa-Anfrage, es gebe keinen neuen Stand. Am Mittwoch hatte die GDL beschlossen, dass es grundsätzlich neue Streiks geben soll. Sowohl den Starttermin als auch die geplante Dauer ließ sie aber offen. Vor der Entscheidung der GDL-Spitzengremien für die Wiederaufnahme von Streiks hatte GDL-Chef Claus Weselsky von rund 100 Stunden Arbeitskampf gesprochen.

Der GDL-Sprecher sagte, es bleibe dabei, dass die Gewerkschaft die Bahnkunden so rechtzeitig informieren werde, dass sie sich nach Möglichkeit nach Alternativen umsehen könnten. Auf eine konkrete Frist wollte er sich nicht festlegen. Es wäre der mittlerweile siebte Ausstand im laufenden Tarifkonflikt.

Bereits vor dem GDL-Streik im November hatte die Bahn versucht, die Arbeitnehmerseite zu einer Schlichtung in dem festgefahrenen Tarifkonflikt zu bewegen. Die GDL hatte dies damals aber abgelehnt.

Nachdem der Beamtenbund (dbb) am Freitag eine Schlichtung ins Spiel gebracht hatte, attackierte er am Samstag den Verhandlungsführer der Bahn, Werner Bayreuther, scharf und schrieb dem Unternehmen in einer Mitteilung die Verantwortung für Eskalation und Streiks zu. «Ich kann die Arbeitgeber der Deutschen Bahn nur nochmals auffordern, endlich konstruktiv und ergebnisorientiert mit der GDL zu verhandeln», sagte demnach der dbb-Bundesvorsitzende Klaus Dauderstädt.

Die Bahn wies die Kritik zurück. Es handele sich dabei um ein reines Ablenkungsmanöver, das in unangemessener Weise auf Personen ziele, sagte eine Sprecherin. Die Bahn wolle endlich in der Sache vorankommen und weitere Streiks vermeiden.

«Hinhaltetaktik und Geiselnahme der Verbraucher» warf der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv), Klaus Müller, der GDL laut «Bild»-Zeitung (Samstag) vor. Die Informationspolitik von Gewerkschaftschef Weselsky sei schwer erträglich. «Unzählige Menschen sind auf die Bahn privat und beruflich angewiesen. Die brauchen unverzüglich Klarheit», forderte Müller.