Bahn rüstet sich für Rekordstreik

Die Deutsche Bahn rüstet sich für die bevorstehenden vier Streiktage. Wenigstens ein Drittel der Züge soll während des bislang längsten Lokführer-Ausstands in der Geschichte des Unternehmens fahren.

Dafür werden Ersatzfahrpläne aufgestellt. Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) hatte am Dienstag zu einem bundesweiten Arbeitskampf aufgerufen.

Der Streik soll am Mittwochnachmittag (15.00 Uhr) im Güterverkehr beginnen. Ab Donnerstagmorgen (2.00 Uhr) wollen dann auch die Lokführer des Regional- und Fernverkehrs sowie der S-Bahnen die Arbeit ruhen lassen - bis Montagmorgen um 4.00 Uhr. Es ist bereits die sechste Streikaktion im laufenden Tarifkonflikt.

Zu Beginn des Ausstands will der GDL-Vorsitzende Claus Weselsky in Berlin noch einmal die Haltung der Gewerkschaft vor Medienvertretern erklären. In dem Tarifstreit will die GDL einen eigenständigen Tarifvertrag für Zugbegleiter durchsetzen. Dabei pocht sie auf das Prinzip der Tarifpluralität, demzufolge mehrere Tarifverträge für dieselbe Berufsgruppe möglich sind. Die GDL fordert außerdem fünf Prozent mehr Einkommen und eine kürzere Wochenarbeitszeit.

Die bundeseigene Deutsche Bahn hat den Streik als maßlos verurteilt und die GDL zur Rückkehr an den Verhandlungstisch aufgefordert. Gespräche über Spielregeln für die Tarifrunde waren am Sonntag gescheitert.

Der Konzern will ein juristisches Vorgehen gegen den Streik prüfen, schätzt die Erfolgsaussichten aber als gering ein. Man schaue sich «das natürlich auch von der juristischen Seite erneut an», sagte Personalvorstand Ulrich Weber im Deutschlandfunk.

«Unsere Erfahrung ist mit den Arbeitsgerichten, dass sie sich sehr schwertun in solchen Fragen der Beurteilung der Verhältnismäßigkeit, solchen Ersuchen nachzukommen», stellte der Bahnmanager aber fest. In der Vergangenheit hätten die Gerichte in aller Regel gegen den Arbeitgeber entschieden.

Aus der großen Koalition kam scharfe Kritik am Vorgehen der GDL und ihres Vorsitzenden. «Claus Weselsky verliert gerade jedes Maß», sagte SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi «Spiegel Online». Die Politikerin forderte Weselsky auf, seine Streikpläne zurückzuziehen.

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) warnte davor, die öffentliche Akzeptanz für den neuen Bahnstreik über Gebühr zu strapazieren. Der «Bild»-Zeitung (Mittwoch) sagte er, Streik sei zwar ein elementarer Bestandteil der Tarifautonomie. Doch sollten die Tarifparteien «mit diesem hohen Gut sehr verantwortungsvoll umgehen». CDU-Generalsekretär Peter Tauber betonte: «Die Dauer des Streiks allein lässt jedes Maß vermissen.»

Der Fahrgastverband Pro Bahn bedauerte den Streik. Die GDL und ihr Vorsitzender dürften nicht länger alles auf eine Karte setzen und kompromisslos alle Einigungsvorschläge vom Tisch wischen. Sie müssten bereit sein, zusammen mit der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) zu verhandeln.