Bahn-Totalsperrung sorgt für Unmut an der Strecke

Die kurzfristig angekündigte Totalsperrung der Bahn-Schnellfahrstrecke Hannover-Kassel in drei Wochen soll nach dem Willen Niedersachsens verschoben werden.

Bahn-Totalsperrung sorgt für Unmut an der Strecke
Julian Stratenschulte Bahn-Totalsperrung sorgt für Unmut an der Strecke

Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) kündigte am Freitag an, dazu mit Bahnchef Rüdiger Grube zu telefonieren. Auf der wichtigen ICE-Strecke müssen vom 23. April bis 8. Mai wegen Bauarbeiten täglich 160 Züge umgeleitet werden, wie ein Konzernsprecher am Freitag sagte. Betroffen davon wären auch Besucher der weltgrößten Industrieschau Hannover Messe (24.-29. April).

Das Bundesunternehmen hatte die Arbeiten am Donnerstagabend kurzfristig angekündigt. Die Strecke werde gesperrt, um Schotter im Gleisbett auszutauschen. Zehntausende Fahrgäste sind betroffen. Es wird im Fernverkehr neben einzelnen Ausfällen Umleitungen mit bis zu einer Stunde längeren Fahrtzeiten geben, wie die Bahn mitteilte. Auch der Nahverkehr und Güterzüge sind betroffen.

Das Bundesverkehrsministerium betonte, Aufgabe der Bahn sei es, die Bauarbeiten zügig durchzuführen und die Beeinträchtigungen für die Kunden so gering wie möglich zu halten. Darüber, dass eine Sicherheitsgefährdung entlang dieser Strecke bestehen könne, habe er keine Informationen, sagte ein Sprecher am Freitag in Berlin.

Ein Sprecher des niedersächsischen Wirtschaftsministeriums nannte den Zeitpunkt der Sperrung «mehr als unglücklich». Die Deutsche Messe wies auf enormen Unmut unter den Ausstellern hin. Bei der Hannover Messe reisen viele ausländische Besucher und Aussteller über das Luftverkehrs-Drehkreuz Frankfurt am Main und nehmen dort den Zug. Es sind auch mehrere Demonstrationen mit bis zu 30 000 Teilnehmern angemeldet. Die Händel-Festspiele in Göttingen (5.-13. Mai) fürchten, zahlreiche Gäste zu verlieren.

Nach Bahn-Angaben war das Ausmaß der Schotter-Probleme Anfang Februar noch nicht bekannt, als der Konzern das Bauprogramm für dieses Jahr vorstellte. Fahrgastvertreter und Politiker hatten die kurzfristige Ankündigung kritisiert. Die Auswirkungen für die Kunden sollten so gering wie möglich gehalten werden, betonte die Bahn.