Bahn vorerst ohne neues Tarifangebot an Lokführergewerkschaft

Bei der Deutschen Bahn droht in der kommenden Woche ein Lokführerstreik mit Folgen für den Zugverkehr.

Das Unternehmen will zwar an diesem Freitag in Frankfurt mit der Gewerkschaft GDL bei einem «Arbeitstreffen» über deren jüngste Tarifforderung nach einer eigenen Versicherung für Berufsrisiken der Lokführer sprechen. «Aber morgen finden keine Verhandlungen statt», sagte Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber am Donnerstag in Berlin.

«Morgen wird es kein Angebot des Arbeitgebers geben, das weiß die GDL auch», fügte er hinzu. Damit bleibt die Androhung von Streiks ab dem 15. Januar aktuell.

Die GDL-Tarifkommission hatte die seit nunmehr zwei Jahren laufenden Verhandlungen über einen neuen Tarifvertrag zur Beschäftigungssicherung Ende November für gescheitert erklärt.

Alle bis damals erhobenen Forderungen zog sie zurück und verlangt nun stattdessen die Einführung einer Lizenzverlust-Versicherung für die bei der Bahn angestellten 20 000 Lokführer. Diese soll Einkommenseinbußen für Lokführer ausgleichen, die aus Gesundheitsgründen ihrem erlernten Beruf nicht mehr nachgehen können.

Weber bezeichnete das Vorgehen der Gewerkschaft als «dreist und unverschämt». Sie drohe mit einem Arbeitskampf, bevor über die neue Forderung verhandelt worden sei. Die GDL verzichte sogar auf einen vom Konzern angebotenen besseren Schutz der Arbeitsplätze. «Die Interessen der Mitarbeiter gehen dabei den Bach herunter», kritisierte das Vorstandsmitglied.

Weber berichtete, im Jahr 2013 hätten 150 Lokführer «aufgrund von gesundheitlichen Problemen jedweder Art» ihren Beruf nicht mehr ausüben können. «Keinem einzigen wurde gekündigt», betonte er.

Etwa 30 davon seien Lokführer, die mit ihrem Zug Selbstmörder überfahren hatten. «Wir kümmern uns um diese Kollegen sehr intensiv.» Die Zahl zeige, dass nicht viele Lokführer aus diesem Grund berufsunfähig würden. Die GDL-Darstellung erwecke aber einen anderen Eindruck.