Bahn will Weichen für Personal neu stellen

Die Bahn will den kompletten Personaleinsatz gemeinsam mit der Eisenbahngewerkschaft auf den Prüfstand stellen - das geht der SPD aber nicht zügig genug. SPD-Bundestagsfraktionsvize Florian Pronold forderte ein Sofortprogramm gegen Fachkräftemangel.

Bahn will Weichen für Personal neu stellen
Daniel Reinhardt Bahn will Weichen für Personal neu stellen

«Die Personalknappheit in Mainz ist nur die Spitze des Eisbergs. Die Bahn selbst räumt ein, dass solche Engpässe auch an anderen Orten existieren», sagte der Verkehrsexperte im Wahlkampfteam von SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück der «Passauer Neuen Presse» (Donnerstag). Die Bahn brauche dringend eine aufgabenorientierte Personalpolitik und keine Privatisierung.

Die Bahn und die Gewerkschaft EVG hatten bei einem Spitzengespräch in Frankfurt am Mittwoch vereinbart, die Personalplanungen für das kommende Jahr in allen rund 400 Konzernbetrieben mit den Beschäftigten zu überprüfen. «Wir haben die Reset-Taste gedrückt und werden die Personalplanung in allen Bereichen und allen Betrieben bei der Deutschen Bahn neu aufsetzen lassen», teilte EVG-Chef Alexander Kirchner am Mittwochabend mit.

Überstunden sollen möglichst komplett abgebaut und gewährte Urlaubs- und Ruhetage eingehalten werden. Anlass waren Zugausfälle und Umleitungen am Mainzer Hauptbahnhof, weil rund die Hälfte der Fahrdienstleiter ausfällt. Die Bahn hatte zumindest Linderung für die kommenden Tage versprochen.

«Wir haben uns vorgenommen, gemeinsam daran zu arbeiten, dass sich ein solches Debakel nicht wiederholt», sagte Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber am Mittwochabend. Der Prozess werde zeigen, wo Neueinstellungen notwendig seien. Allein im ersten Halbjahr 2013 habe die Bahn 2000 neue Arbeitsplätze in Deutschland geschaffen. Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft rechnet nach Kirchners Worten mit Neueinstellungen. Konzernweit seien 8 Millionen Überstunden und 9 Millionen Stunden ausstehender Urlaub aufgelaufen.

Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) stärkte Konzernchef Rüdiger Grube den Rücken. «Bahnchef Grube ist der richtige Mann, um die Funktionstüchtigkeit der Bahn wiederherzustellen», sagte Kauder der «Rheinischen Post» (Donnerstag), forderte aber: «Er muss jetzt schnell handeln. Die Bevölkerung erwartet zu Recht, dass die Bahn funktioniert.» Kauder sieht keinen Zusammenhang zwischen dem aktuellen Chaos und der Gewinnorientierung der Bahn.

Die SPD hatte eine Sondersitzung des Bundestags-Verkehrsausschusses mit Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) für diesen Freitag beantragt. Der Ausschuss-Vorsitzende Anton Hofreiter (Grüne), forderte ein Ende der Bahn-Privatisierung. «Nicht nur das Netz, die gesamte Infrastruktur muss wieder ins unmittelbare Bundeseigentum überführt werden oder in einen gemeinwohl-orientierten, unabhängigen Infrastruktur-Konzern», sagte er den «Kieler Nachrichten» (Donnerstag). In der «Stuttgarter Zeitung» forderte er die Ablösung vom Infrastruktur-Vorstand der Bahn, Volker Kefer.

Die Grünen im Bundestag verlangten eine bessere Entschädigung der Fahrgäste. «Wir fordern die Deutsche Bahn auf, alle Zeitkarteninhaber zügig und umfassend zu entschädigen», sagte Fraktionschefin Renate Künast der Nachrichtenagentur dpa. Pendler, die morgens und abends jeweils Verspätungen von 50 Minuten hinnehmen müssten, sollten schon ab 30 Minuten Verspätung Anspruch auf eine Erstattung haben. Die Deutsche Bahn will Fahrgästen mit Zeitkarten entgegenkommen. «Wir schauen uns den Einzelfall an», sagte eine Sprecherin.