Bahnfahren wird in erster Klasse und im Regionalverkehr teurer

Die Deutsche Bahn will am Jahresende nur leicht an der Preisschraube drehen. In Fernzügen gibt es für die zweite Klasse keine Erhöhung.

Bahnfahren wird in erster Klasse und im Regionalverkehr teurer
Armin Weigel Bahnfahren wird in erster Klasse und im Regionalverkehr teurer

Fahrscheine für die erste Klasse werden ab 14. Dezember durchschnittlich 2,9 Prozent teurer, sind dann aber inklusive Platzreservierung und im ICE auch mit WLAN-Nutzung. Das kündigte Personenverkehrsvorstand Ulrich Homburg am Montag in Berlin an. Im Regionalverkehr erhöht die Bahn im Schnitt um 1,9 Prozent.

Für 80 Prozent der Fahrten machen die Preise im Nahverkehr aber die regionalen Verkehrsverbünde, in denen Länder und Kommunen sitzen. Einzelne große Verbünde haben in den vergangenen Monaten Erhöhungen deutlich über drei Prozent angekündigt.

«Über 90 Prozent unserer Kunden im Fernverkehr haben keine Preiserhöhung», sagte Homburg. «Wir wollen unseren treuen Kunden zeigen, dass wir schon mitbekommen haben, dass die Wettbewerbssituation eine andere ist.» Er verwies auf zunehmende Konkurrenz durch Fernbusse, aber auch durch Carsharing und Mitfahrzentralen.

«Im Prinzip eine gute Nachricht», sagte Karl-Friedrich Naumann, der Ehrenvorsitzende des Fahrgastverbands Pro Bahn. «Aber ich glaube auch, man hätte nichts anderes machen können bei der derzeitigen Qualität des Fernverkehrs und bei der Konkurrenzsituation.»

Naumann forderte, dass die Verkehrsverbünde ihre Preise bundesweit einheitlich regeln. Im Regionalverkehr hatte die Bahn im vergangenen Jahr 14 Mal so viel Fahrgäste wie in ICE, Intercity und Eurocity. Das Gros der Bahnfahrten wird also trotz der Nullrunde in der zweiten Klasse im Fernverkehr teurer.

Neu ist ab 2015 das kostenlose WLAN in der ersten Klasse des ICE. In der zweiten Klasse werde das kostenlose WLAN voraussichtlich 2016 eingeführt. Zunächst müsse die Bahn technisch in der Lage sein, das zu erwartende Datenvolumen zu bewältigen, sagte Homburg.

Homburg kündigte an, dass Kunden, die mit Kreditkarte und dem Internet-Bezahldienst PayPal bezahlen, künftig für Zahlungen ab 50 Euro eine Gebühr entrichten müssen. Abgeschafft wird die umstrittene Servicegebühr von fünf Euro für Kunden, die im Reisezentrum bestimmte Sonderpreise buchen.

Im Fernverkehr steht die Bahn unter wachsendem Druck der Fernbusse, die häufig zwar langsamer, aber meistens zu niedrigeren Fahrpreisen ans Ziel kommen. Homburg musste im Sommer zugeben, die neue Konkurrenz unterschätzt zu haben, als Anfang 2013 der Markt für Busstrecken über 50 Kilometer geöffnet wurde.

Die Bahn-Fahrpreise waren in den vergangenen Jahren unterm Strich regelmäßig stärker gestiegen als die Teuerungsrate, was meistens mit höheren Energie- und Personalkosten begründet wurde. Schon 2013 aber erhöhte der Konzern im Fernverkehr mit einem Zuschlag von 1,3 Prozent schwächer als im Regionalverkehr, wo Fahrkarten 2,9 Prozent teurer wurden.