F1 vor Baku-Kulisse: Menschenrechte kein «Problem»

Die Auto-Flotte von Aserbaidschans Präsident Ilham Aliyev bewegt sich schon fast auf Formel-1-Niveau. Rasant schießen mehr als 15 schwarze deutsche Luxuslimousinen über die Neftçilər Prospekti.

Während bei den Europaspielen der Verkehr auf der Prachtstraße am Boulevard von Baku nur während der Durchfahrt des Staatschefs ruht, wird sich das Areal vor der schillernden Skyline bis kommendes Jahr für den größten Motorsportzirkus verwandeln.

Mitten in der Hauptstadt findet erstmals ein Grand Prix der Formel 1 statt - ungeachtet der Menschenrechtsdebatte soll wie schon bei den ersten Kontinentalspielen erneut ein strahlendes Image präsentiert werden. «Die Formel 1 ist eine der prestigeträchtigsten Sportarten der Welt», schwärmt Sportminister Azad Rahimov in seinem Europaspiele-Büro gegenüber des Hilton Hotels nur unweit des Kurses. «Wir wollen unsere wunderschöne Stadt präsentieren. Es ist sehr wichtig für unser Land, das neu auf der Weltkarte ist, sehr viele Gäste zu beherbergen.»

Noch sind keinerlei Spuren einer Rennstrecke in Baku zu erkennen, doch mit Ende der Europaspiele beginnen auch für den Aachener Formel-1-Baumeister Hermann Tilke endgültig die Arbeiten. Die «Nummer eins in der Welt» (Rahimov) unter den Streckenbauern hat einen 6,006 Kilometer langen Kurs entworfen, nur im belgischen Spa ist die Formel 1 pro Runde weiter unterwegs.

Vom Start- und Zielbereich am Regierungshaus geht es entlang eines der Antike nachempfundenen Museumszentrums Richtung Altstadt. Um die alten Mauern führt eine der engsten Stellen der Formel 1, die einer Extra-Genehmigung des Internationalen Automobilverbandes bedurfte.

An dieser Passage erwartet Tilke eine unbekannte Herausforderung. «Die Pflastersteine sollen erhalten bleiben, also werden wir sie mit einer temporären Lösung überbauen. So etwas hatten wir auch noch nicht», berichtet Tilke. An der noblen Promenade mit einem Vergnügungspark vorbei fahren die Piloten auf der laut Eigenwerbung «längsten Gerade der Formel 1» mit einer Höchstgeschwindigkeit von 340 Stundenkilometern.

Mit Sport-Superlativen versucht Aserbaidschan sich einen Namen auf der internationalen Bühne zu machen. Über neun Jahre läuft der Formel-1-Vertrag, 2017 stehen die Islamischen Spiele der Solidarität an, in fünf Jahren finden Vorrundenpartien und ein Viertelfinale der Fußball-EM in Baku statt. «Es ist eine Strategie», erklärt Rahimov die Anhäufung von Großereignissen. «Wir versuchen immer ein unterschiedliches Publikum anzusprechen.»

Doch all diese Anstrengungen lassen die internationale Kritik an Verstößen gegen Menschenrechte und Pressefreiheit in der Südkaukasusrepublik nicht verstummen. Kürzlich nahm die Formel 1 den Passus in ihre Richtlinien auf, dass man sich verpflichte, die international anerkannten Menschenrechte in ihren weltweiten Beziehungen zu respektieren und mögliche neue Gastgeber daraufhin zu prüfen.

Wie intensiv dies mit Bezug auf die Menschenrechte in Aserbaidschan geschieht, erklärte Geschäftsführer Bernie Ecclestone zuletzt am Rande des ebenfalls politisch umstrittenen Rennens in Bahrain. Man habe sich die Situation angeschaut, sagte der Formel-1-Chef. «Ich denke, jeder sieht glücklich aus. Es sieht nicht aus, als gäbe es dort ein großes Problem.»