Hambüchen triumphiert bei Europaspielen am Reck

Top-Star Fabian Hambüchen hat einen starken Auftritt der deutschen Kunstturner zum Abschluss ihrer Europaspiele mit einer Reck-Gala gekrönt. Mehr als drei Stunden nach Silber am Boden sicherte sich der frühere Weltmeister auch noch die Goldmedaille an seinem Paradegerät Reck.

Hambüchen triumphiert bei Europaspielen am Reck
Bernd Thissen Hambüchen triumphiert bei Europaspielen am Reck

Für Hambüchen war es in Abwesenheit des Olympiasiegers und Dauer-Widersachers Epke Zonderland aus den Niederlanden der erste internationale Einzel-Titel seit 2009. Zudem rundete Sophie Scheder mit dem zweiten Platz am Stufenbarren und der insgesamt vierten Medaille einen gelungenen Auftritt der deutschen Geräteturn-Riege bei den Premieren-Kontinentalspielen ab.

Am Reck startete Hambüchen als Favorit und wurde der Rolle mit 15,533 Punkten vor dem Griechen Vlasios Maras (15,366) gerecht. Dank seiner besten Boden-Leistung bei den Kontinentalspielen musste sich der 27-Jährige in der ersten Disziplin des Tages nur Rayderley Miguel Zapata Santana aus Spanien (15,333) geschlagen geben. «Abgefahren. Ich wusste, ich habe eine minimale Chance, wenn alles passt», sagte er Sport1. «Es war eine geniale Übung. Ich bin völlig zufrieden, besser geht es nicht.»

Hambüchen war lediglich mit der sechstbesten Vorkampfwertung in das Boden-Finale der besten Sechs gegangen. Im Reck dominierte er auch trotz einer schmerzhaften Verletzung des linken Mittelfingers.

Scheder hatte ebenfalls mit einer Blessur von den Europaspielen zu kämpfen. Trotz eines komplett abgetapten rechten Oberarms zeigte sie am Stufenbarren eine starke Vorstellung und lag mit 15,200 Punkten um 0,200 Zähler hinter der überragenden Russin Alija Mustafina, die insgesamt dreimal Gold gewann.

«Ich war so erleichtert und so happy, dass kann man sich gar nicht vorstellen», schwärmte die 18-Jährige Scheder über ihr zweites Silber nach dem Team-Wettbewerb. «Im Unterbewusstsein hatte ich Angst, dass es doch wieder schief geht und dass vielleicht doch wieder der vierte Platz dabei rauskommt.»

Im Mehrkampf war Scheder noch von ihrem Paradegerät gestürzt, hatte sich dabei den rechten Ellenbogen verletzt und Bronze knapp verpasst. Beim Einzel-Wettkampf ging sie dann auf Nummer sicher und verzichtete auf das schwierige Hindorff-Flugelement.

Am Schwebebalken reichte es nur knapp nicht zu ihrem dritten Edelmetall. Nach leichten Unsicherheiten kam Scheder beim Sieg der Niederländerin Lieke Wevers auf Rang vier, zur Schweizerin Giulia Steingruber und Bronze fehlten nur 0,034 Zähler. «Das ist für mich Nebensache, ich habe jetzt die Medaille im Koffer», sagte Scheder.

Zuvor hatte Monika Karsch die dritte Medaille für die deutschen Sportschützen geholt. Die 32-Jährige setzte sich mit der Luftpistole über 25 Meter im Duell um Bronze gegen die Russin Julia Alipowa mit 7:5 durch. «Diese Medaille bedeutet ganz, ganz viel. Nach einem richtig schweren Start in der Qualifikation von gestern war es so schwierig, sich noch einmal zu mobilisieren», sagte Karsch.

Nicht zu bezwingen war die siegreiche Schweizerin Heidi Diethelm Gerber, Munkhbayar Dorjsuren wurde Fünfte. «Monika ist eine Final-Maus, denn sie kann das Duell-Schießen gut», lobte die gebürtige Mongolin ihre Teamkollegin und gute Freundin Karsch.