Ban Ki Moon fordert mehr Einsatz für Notleidende

Angesichts der größten humanitären Krise seit dem Zweiten Weltkrieg hat UN-Generalsekretär Ban Ki Moon die Weltgemeinschaft zu mehr Einsatz für notleidende Menschen aufgerufen.

Ban Ki Moon fordert mehr Einsatz für Notleidende
Tolga Bozoglu Ban Ki Moon fordert mehr Einsatz für Notleidende

Es gebe heute eine Rekordzahl an Menschen, die Hilfe zum Überleben bräuchten, sagte Ban heute zum Auftakt des zweitägigen ersten UN-Weltnothilfegipfels in Istanbul. «Alle hier haben die Macht, die nötigen Veränderungen zu erreichen.»

Bundeskanzlerin Angela Merkel verlangte eine strikte Einhaltung des humanitären Völkerrechts. Es sei eigentlich eine Katastrophe, dass darüber gesprochen werden müsse, beklagte sie auf dem Gipfeltreffen. Vor allem kritisierte sie, dass im Bürgerkriegsland Syrien und anderswo systematisch Klinken bombardiert und Ärzte getötet werden.

Merkel forderte einen globalen Konsens für eine bessere Verzahnung der Nothilfe in Krisengebieten. «Wir dürfen nicht von Katastrophe zu Katastrophe arbeiten», sagte sie. Nötig sei ein globales System reibungsloser und ineinander greifender internationaler Hilfe.

Bei dem humanitären Weltgipfel geht es darum, die oft unzureichende Versorgung notleidender Menschen in Krisengebieten zu verbessern. Mit dem Treffen reagieren die UN auf die weltweit stark gestiegene Zahl von Krisen und und Menschen in Not. Insgesamt nehmen rund 6000 Vertreter von Staaten und internationalen Organisationen teil, darunter mehr als 60 Staats- und Regierungschefs.

Die Welt erlebt derzeit nach UN-Angaben die schlimmsten humanitäre Krise seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Demnach brauchen weltweit 125 Millionen Menschen Hilfe, 60 Millionen sind auf der Flucht - die größte Zahl seit rund 70 Jahren.

Oft reicht das Geld nicht aus, um Notleidende mit dem Nötigsten zu versorgen. Die UN rechnen in diesem Jahr mit einem Finanzbedarf von 20 Milliarden Dollar (18 Milliarden Euro).

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) rief die internationalen Geldgeber in Istanbul auf, ihre finanziellen Zusagen für die Nothilfe einzuhalten. Von der im Februar versprochenen Syrienhilfe sei bisher erst ein Drittel umgesetzt worden, sagte Müller. «Was nützen Gipfel der Ankündigungen, wenn die Hilfe nicht bei den Menschen ankommt.» Die Bundesregierung will für die Syrienhilfe bis 2018 2,3 Milliarden Euro zahlen. Müller regte zugleich einen zehn Milliarden Euro starken EU-Krisenfonds und einen eigenen EU-Kommissar an.

Im Vorfeld hatte es Kritik an dem Gipfel gegeben. Viele Teilnehmer erwarten keine konkreten Ergebnisse. Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) sagte ihre Teilnahme ab, weil sie das Treffen für ein «Feigenblatt» hält. Außer Merkel nehmen an dem Gipfel kaum Staats- und Regierungschef der weltweit führenden Geberländer teil.