Bangen um Deutschland-Rennen ein schlechtes Signal

Teams und Rennstreckenbetreiber, die ums wirtschaftliche Überleben kämpfen. Verwaiste Zuschauerränge. Sinkende Einschaltquoten. Immer wieder Diskussionen um die Regeln. Zu leise Motoren, zu wenig PS. Die Formel 1 befindet sich in einer gefährlichen Abwärtsspirale.

Bangen um Deutschland-Rennen ein schlechtes Signal
Jens Buettner Bangen um Deutschland-Rennen ein schlechtes Signal

Und das ist so, obwohl die vergangene Saison Rennsport vom Feinsten bot. In diesem Jahr kommt der Team-Weltmeister mit Mercedes aus Deutschland, Nico Rosberg wird im Silberpfeil-Duell mit Champion Lewis Hamilton wieder um den Titel kämpfen und Sebastian Vettel will seine neue Ära bei Ferrari einläuten. Dass trotzdem die Absage des Deutschland-Rennens droht, ist ein weiteres Symptom der seit längerem kränkelnden Motorsport-Königsklasse.

Auf den Hockenheimring kamen im vergangenen Jahr am Renntag gerade einmal etwas mehr als 40 000 Besucher. Zu besten Zeiten von Michael Schumacher strömten mehr als doppelt so viele Fans an die Strecken in Deutschland. Berühmt wurden sie als Rotkäppchen wegen der roten Ferrari-Kappen. Formel 1 war Kult.

Nicht so wie seinerzeit Schumacher. Daran änderten auch seine vier WM-Titel in Serie mit Red Bull nichts. Er war nicht der erste Deutsche, dem dies gelungen ist und der Rennstall mit dem Getränkeunternehmen Red Bull im Hintergrund polarisiert deutlich mehr als Ferrari die Menschen weltweit fasziniert. Mit seinem Wechsel zur Scuderia könnte Vettel das Interesse wieder steigern, an Zeiten wie mit Schumacher ist aber kaum zu denken.

Weil sie praktisch die einzige Einnahmequelle sind. Um die Formel 1 überhaupt in ein Land, bzw. auf eine Strecke zu holen, bezahlen die Betreiber Millionensummen. Sie können von Land zu Land auch stark abweichen und bei 40 Millionen Dollar (35 Millionen Euro) liegen. Also müssen die Streckenbetreiber das Geld über die Eintrittspreise versuchen hereinzuholen. Ein Teufelskreis.

Die Suche nach Sponsoren wird für die Teams immer schwerer. Beispiel Sauber: Auf dem neuen Wagen prangen kaum Logos von Geldgebern. Teams wie Manor, Nachfolger von Marussia, und Caterham kämpfen mit mehr oder weniger Hoffnung und Erfolg um ihre Existenz. Force India, Arbeitgeber von Nico Hülkenberg, bekommt den neuen Wagen vermutlich erst zu den letzten Tests fertig. In Jerez fuhren gerade mal acht Teams. Die VIP-Quote bei vielen Rennen hält sich mittlerweile auch in Grenzen; das Defilee der Schönen und Reichen durch die Startaufstellung hat ebenfalls an Strahlkraft verloren.

Auch wenn die Autos höchst modern sind, hinkt die Königsklasse in anderen Bereichen hinterher. Beispiel soziale Medien: «Ich habe kein Interesse am Tweeten, an Facebook und was immer dieser Unsinn auch ist», sagte Formel-1-Geschäftsführer Bernie Ecclestone in einem Interview im vergangenen November. Er sei da zu altmodisch und habe keinen Nutzen darin erkennen können. Entsprechend ungenutzt lässt die Formel 1 diese Kanäle, um jüngere Leute zu erreichen. Die Formel 1 will ihren exklusiven Status wahren.

Ecclestone hat auch dazu eine sehr eigene Meinung: Die meisten Kids hätten gar nicht genug Geld, um sich manche Marken zu leisten. Ecclestones Schlussfolgerung: Man braucht diese Kids auch gar nicht erreichen. «Ich ziehe den 70-Jährigen mit viel Geld vor.»

Ja, er kontrolliert seit fast 40 Jahren die Vermarktung der Formel 1. Er führt die Verhandlungen mit den Streckenbetreibern. Er kam dem Hockenheimring auch schon einmal entgegen, als es um die Zukunft der Formel 1 auf dem badischen Kurs ging.

Mal so, mal so - das ist nicht ungewöhnlich für Ecclestone. Vor allem, wenn er verhandelt. So kann er öffentlich Druck ausüben.