Bangen um US-Haushalt verunsichert Finanzmärkte

Der ungewisse Ausgang im US-Haushaltsstreit drückt weiter auf die Stimmung an den Börsen. Der deutsche Leitindex Dax fiel am Mittwoch um 0,69 Prozent auf 8629,42 Punkte, der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 ging mit einem Minus von einem halben Prozent bei 2918,31 Zählern aus dem Handel.

Das Einlenken von Italiens Ex-Ministerpräsidenten Berlusconi in der Regierungskrise des Landes ließ die Aktienmärkte dagegen weitgehend kalt, befügelte aber den Euro. Die Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB), die Leitzinsen unverändert zu lassen, war erwartet worden und hatte kaum Einfluss auf die Kurse, wie Händler erklärten.

Der US-Budgetstreit war für Börsianer das beherrschende Thema. «Das Herunterfahren des Regierungsapparates ist nur ein kleiner Appetithappen im Vergleich zum Menü, das uns bevorsteht wenn sich über die nächsten zwei Wochen keine Einigung über die Schuldenobergrenze erzielen lässt», kommentierte Marktstratege David Zervos vom Analysehaus Jefferies.

Nachdem die öffentliche Verwaltung der USA erstmals seit 17 Jahren lahmgelegt ist, droht in Washington eine weitaus größere Krise: Bis zum 17. Oktober muss der Kongress die Schuldengrenze von derzeit 16,7 Billionen Dollar erhöhen. Sollte dies ebenfalls scheitern, droht dem Land die Zahlungsunfähigkeit und damit auch eine schwere Belastung der Weltwirtschaft. Es sei bemerkenswert, wie ruhig die Finanzmärkte bislang auf die Haushaltssperre reagiert hätten, sagte Händlerin Anita Paluch vom Broker Gekko Global Markets.

Schwache Arbeitsmarktzahlen aus den USA belasteten die Wall Street zusätzlich. Der Dow Jones startete mit leichten Verlusten in den Handelstag.

Der italienische Aktienmarkt reagierte mit Kursgewinnen auf das vorläufige Ende der Regierungskrise in Rom. Ex-Ministerpräsident Silvio Berlusconi gab überraschend seinen Widerstand gegen die Regierung von Enrico Letta auf. Der Euro profitierte von der Volte. Die Gemeinschaftswährung stieg auf über 1,36 US-Dollar und damit auf den höchsten Stand seit Anfang Februar.

Die Zinsentscheidung der EZB beeindruckte die Anleger dagegen kaum. Die Notenbank versorgt die Banken im Euroraum weiterhin mit extrem billigem Geld. Der Leitzins bleibt wie erwartet auf dem Rekordtief von 0,5 Prozent. EZB-Chef Mario Draghi kündigte außerdem seine grundsätzliche Bereitschaft, Europas Banken mit neuen Notkrediten zu unterstützen.