Banken-Stresstest werden veröffentlicht: Wer fällt durch?

Seit Monaten wird gerechnet, seit Wochen spekuliert, nun gibt es offizielle Ergebnisse: Europäische Zentralbank (EZB/Frankfurt) und Bankenaufsicht EBA (London) veröffentlichen heute um 12 Uhr die Ergebnisse ihrer umfassenden Bankentests.

Banken-Stresstest werden veröffentlicht: Wer fällt durch?
Boris Roessler Banken-Stresstest werden veröffentlicht: Wer fällt durch?

Am selben Tag wollen sich die deutsche Finanzaufsicht Bafin und die Bundesbank in Frankfurt/Main zum Abschneiden der deutschen Institute äußern.

Nach neuesten Gerüchten sollen 25 Banken durchgefallen sein. 15 davon sollen aber inzwischen genügend Kapital aufgebaut haben, um möglichen Krisen zu trotzen. Die EZB wies dies allerdings zurück. Die endgültigen finalen Ergebnisse gebe es erst an diesem Sonntag, bis dahin sei alles Spekulation.

Allgemein wird inzwischen damit gerechnet, dass in Deutschland trotz einiger Wackelkandidaten alle 24 geprüften Geldhäuser den Test bestanden haben. Es sei wahrscheinlich, «dass alle deutschen Banken der Stresstest überlebt haben», zitierte die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» (Freitag) den Co-Chef der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen, in dessen Funktion als Präsident der Bundesverbandes deutscher Banken. Das hieße, dass auch die zuletzt als größter Wackelkandidat gehandelte HSH Nordbank durchkommen würde.

Durchfaller werden vor allem unter den kleineren Instituten in Südeuropa erwartet. Institute, die an den Kapitalvorgaben scheitern, müssen dann binnen zwei Wochen Pläne vorlegen, wie sie ihre Lücken schließen wollen.

Im Kern geht es um die Frage: Verfügen die Institute über genügend eigenes Kapital, um im Fall einer neuen Krise nicht in die Knie zu gehen. Durchgefallene Institute haben sechs bis neun Monate Zeit, um die Lücken zu schließen.

Viele Banken haben bereits reagiert. So beschafften sich etwa im zweiten Quartal die Deutsche Bank und die italienische Monte dei Paschi frische Milliarden über Kapitalerhöhungen.

In den vergangenen Monaten durchleuchteten Tausende EZB-Experten, nationale Aufseher und externe Wirtschaftsprüfer die Bilanzen der Banken auf der Suche nach Altlasten oder Kapitallöchern. Verknüpft wurde dieser Bilanzcheck mit einem Stresstest. Dieser Krisentest simulierte, ob die Institute auch dann ausreichend Kapital für ihr Geschäft haben, wenn die Wirtschaft einbricht und die Immobilienpreise in den Keller rauschen.

Die EZB nahm 130 Banken im Euroraum unter die Lupe. Darunter sind 23 deutsche Institute plus der Deutschland-Ableger der schwedischen SEB. Die EBA als europäische Bankenaufsicht überprüfte auch EU-Banken in Nicht-Euro-Staaten, etwa im wichtigen Bankenmarkt Großbritannien.

Hintergrund der umfassenden Prüfungen ist der Start in die neue europäische Bankenunion: Am 4. November übernimmt die EZB die zentrale Aufsicht über die 120 führenden Banken im Euroraum. Das soll die grenzübergreifende Kontrolle verbessern und Risiken bei einzelnen Instituten oder in bestimmten Marktsegmenten frühzeitig offenbaren.