Banker, Maler, Medici: «Florenz!»

Nur wenige Städte haben die heutige Welt so entscheidend geprägt wie Florenz. Die toskanische Hauptstadt ist Miterfinderin des Bankwesens, der Zentralperspektive und der Literatur.

Namen wie Dante und Michelangelo sprechen für sich. Die Ausstellung «Florenz!» in der Bundeskunsthalle weiß aber noch viel mehr zu erzählen.

Dabei gesteht Kurator Gerhard Wolf durchaus ein, er habe sich anfangs zweifelnd gefragt: «Wie kann man eine Stadt von einem Fluss an den anderen verlegen, wie kann man Florenz vom Arno an den Rhein verpflanzen?» Natürlich kann man das nicht. Die Atmosphäre einer Stadt lässt sich über Gegenstände nicht vermitteln, der Besuch nie ersetzen. Aber wenn eine Ausstellung gut gemacht ist - und das ist diese hier - dann kann sie einen neuen Zugang eröffnen.

Wer je im Sommer in Florenz war, weiß, dass man dort vor lauter Besuchern oft nicht viel von der Stadt sieht. Und dass Florenz so viel zu bieten hat, dass einen die Masse schier erschlägt. In der Bundeskunsthalle ist das anders. Da ist Platz, und da sieht man die Dinge aus einem anderen Blickwinkel. So kann man hier um die riesige Bronzeplastik «Christus und der ungläubige Thomas» von Andrea del Verrocchio herumgehen. Das ist ein richtiger Überraschungseffekt, denn von hinten sind die Skulpturen natürlich hohl. Ein Blick hinter die Kulissen der Renaissance sozusagen.

Aber auch die ganz kleinen Dinge kommen nun zur Geltung. Da ist zum Beispiel eine Serie von Miniaturbildern in einer Handschrift von Dantes «Komödie»: In ihrer genau getakteten Abfolge erinnern die farbigen Bilder an eine Filmsequenz. Als diese Buchmalerei entstand, am Ende des Mittelalters, zählte Florenz 100 000 Einwohner, mehr als doppelt so viele wie die größte deutsche Stadt, Köln.

Es ist ein Verdienst der Ausstellung, dass sie nicht nur das Bekannte vorzeigt. Die Medici, klar, die dürfen nicht fehlen und sind auch vertreten, aber wer hat schon gewusst, dass Florenz im 18. Jahrhundert von einem höchst fortschrittlichen Fürsten namens Peter Leopold regiert wurde? Dieser Großherzog - der spätere Kaiser Leopold II. - gab das Geld nicht für Kunst aus, sondern für eine bessere Infrastruktur und für den Kampf gegen Armut und Krankheit. Er schaffte sogar die Todesstrafe ab.

Die Ausstellung umfasst über 350 Objekte, darunter Gemälde von Botticelli und Architekturzeichnungen von Michelangelo. Aber die Schüler, die bereits durch die Ausstellung schwärmten, begeisterten sich vor allem für einen 3D-Film. Und sie haben recht: So anschaulich wie hier ist die Konstruktion der Florentiner Domkuppel noch nie erklärt worden.